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Der jüdische Student · 1929-05-01 · Heft 5 (Mai 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 5 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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berufene „schlechte Gewissen". Aus schlechtem Gewissen aber entsteht nicht das große Dennoch, sondern zionistische Verdrängungserscheinungen (Galuthbejahung, Entpoiitisierung des zionistischen Ideals, Ueberbetonung der kulturellen Erneuerungsidee, der schlechte Typ des zionistischen Gemeindepolitikers, der Logenbruder, der loyale Mitarbeiter in allen Organisationen). Demgegenüber ist es zwecklos, auf die zionistische Belanglosigkeit des K. J. V., besonders des jungen, hinzuweisen. Die Aufgabe einer verantwortungsbewußten Führung ist es, nicht durch diese oder ähnliche Behauptungen, die im einzelnen ihre sachliche Berechtigung haben mögen, die Unsicherheit des jungen Kartells zu erhöhen, Parolen in die Massen zu werfen, sondern W e g e zu zeigen. Das ist vielleicht schwieriger, als Losungen auszugeben. Das jetzige Präsidium wird sich erst dann bewährt haben, wenn auch es der Lockung widerstanden haben wird, zu dem Mittel der Parolenausgabe der letzten Jahre zu greifen. Wege nach Erez-Israel zu zeigen, das wird die Aufgabe des jetzigen und kommender Präsidien sein. Aber es müssen auch Menschen da sein, die bereit sind, diese Wege zu gehen, ich glaube, die Wege brauchen nur gezeigt zu werden und die Menschen werden sie gehen. Eins ist Voraussetzung: sie müssen wissen, weshalb sie den Weg gehen. Lichtheim hatte recht, wenn er sagte, daß nur der Glaube an das Endziel die echte Pioniergesinnung erzeugen könne. Was aber ist dieses Endziel? Ist es wirklich binationaler Palästinastaat oder ist es der Judenstaat? Die Kontroverse, die von der „jüdischen Rundschau" und vom Revisionismus begonnen wurde, ist noch nicht zu Ende. Sie wird in nicht allzu langer Zeit in voller Stärke wieder erstehen. Dieser Streit ist nicht rein akademisch, er wird auch die aktuelle Politik bestimmen, weil ihre Zielsetzung bedingt ist durch die letzte Zielsetzung. Man hatte vielleicht auf dem Kartelltag eine Vorahnung dieser kommenden Auseinandersetzung. Denn die Debatte, soweit sie prinzipieller Natur war, bewegte sich auf dem weiten Räume zwischen Moskau und Rom. In diesen beiden Namen kulminieren die bewegenden Strömungen des Nachkriegseuropa. Dazwischen liegt das liberale, demokratische und — cum grano salis — auch das sozialdemokratische Bürgertum. Der Zionismus, das Kind des klassischen Bürgertums, wird sich mit jenen Mächten auseinandersetzen müssen. Innerhalb des Bürgertums ist alles fraglich geworden. Auch es hatte seine revolutionäre Epoche, die heute überwunden ist. Die Sterilität der europäischen Politik ist ein Beweis für den Mangel an schöpferischer Kraft und politischem Gestaltungswillen des bürgerlichen Europa. Es fehlt an einer politischen Leitidee, die willig Aufnahme findet und das europäische Bürgertum noch einmal zur politischen Aktivität entzündet. Der Bolschewismus und der Faschismus ringen um die Seele Europas. Das europäische Judentum wird — mag die Entscheidung in irgendeinem Sinne fallen — nicht zu den gestaltenden, sondern zu den gestalteten Kräften gehören. Der Kommunismus muß notwendigerweise — vom Oekonomisch-Soziaien herkommend — den Lebensnerv des Judenvolkes treffen, weil es fast einheitlich zu der mittelständischen Schicht gehört, die nach marxistischer Theorie entweder durch den Wirtschaftskampf aufgerieben wird oder in der Revolution endgültig vernichtet wird. Der Faschismus — die Frage vom Staatlichen her aufrollend i-1 ein Versuch der Uehcrw indung der 14

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