Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Akademiker. Daß diese Frage mit solcher Unmittelbarkeit vor das Forum des Kartelltage;* gebracht wurde, halte ich für eine der guten Seiten des Kartelltages. Es muß ganz besonder^ gevvertet werden, daß westliche Zionisten eine Chaluziuth we^tjudischer Jugend wieder fordern zu können glauben. Symptomatisch erscheint mir auch hier die Wandlung der Begriffe „Chaluz" und „Chaluziuth". In der Wandlung dieser Begriffe offenbart sich der ganze Wandel zionistischer Anschauungswelten. Während die Nachkriegsgenerationen unter dem Einfluß sozialistischer Strömungen und der starken Ausstrahlungen Buberscher Gemeinschaftsideologien die Verwirklichung des Zionismus mit der Errichtung einer neuen sozialen Ordnung in Erez-Israel identifizieren, bricht sich heute wieder der klassische Oedanke des Herzischen Zionismus Bahn: Palästina soll die Heimat des ganzen jüdischen Volkes werden. Diesem Ziele haben sich alle partikularen Strebungen unterzuordnen. Wer diesem Ziele dient, sei es, daß er mit seiner Hände Arbeit dem Boden Erez-Israels Früchte abringt, sei es, daß er mit seinem Kapital neue Arbeitsmöglichkeiten dem Lande erschließt und dadurch dazu beiträgt, eine Alijah zu ermöglichen, der ist Chaluz. In der Rangordnung zionistischer Leistungen nimmt diejenige Leistung die höchste Stelle ein, die ein Maximum im Hinblick auf das Endziel darstellt. Das war es auch, was Lichtheim unter der Wiederaufrichtung des nationalen Primats verstanden wissen wollte. Es genügt aber nicht allein, Erkenntnisse zu haben. Sie müssen verwertet werden. Es genügt nicht, Forderungen aufzustellen. Sie müssen, wenn sie Resonnanz gefunden haben, auf ihre Verwertbarkeit geprüft und dann verworfen oder bejaht werden. Einem Mißverständnis soll gleich vorgebeugt werden. In dem Palästina-J. St. heißt es an einer Stelle: „Die Hoffnung, daß Erez-Israel für unser Geschlecht Heimatland werden könnte, ist endgültig vorüber." Nicht also schrankenlose Chaluziuth soll propagiert werden, aber besonders der junge K. J. V.er soll sich immer wieder vor die Palästina-Entscheidung gestellt sehen. Er soll wissen, daß es auch für ihn eine Chance, nach drüben zu gehen, geben kann. In diesem Augenblick muß er sie nur nützen können, d. h. er muß vorbereitet sein, beruflich und menschlich. Es wird die Aufgabe des von Lichtheim geforderten Palästina -Wirtsc ha ftsamtes sein, diese Chancen ausfindig zu machen. In dem Moment, wo wieder Menschen aus unserem Kreise konkrete Wege nach Palästina gewiesen werden können, werden viele Schwierigkeiten unserer Arbeit überwunden sein. Denn diese beruhen ja meist nicht auf der Wirkungslosigkeit der zionistischen Idee, sondern auf der Aussichtslosigkeit ihrer persönlichen Verwirklichung für die Menschen unseres Kartells. Wir wissen, daß es für uns nur den g a 1 u t h - verneinenden Palästina-Zionismus gibt. Aber eine Bewegung wie die zionistische, die aus dem Stadium der Agitation, der großen Auseinandersetzung und des Meinungskampfes in das Stadium der Verwirklichung tritt, muß Erfolge sehen, sichtbare Auswirkungen der Bewegung. Das heißt hier konkret gesprochen: K. J. V.er müssen die Möglichkeit haben, nach Erez-Israel auswandern zu können, und die Aussicht haben, sich dort zu verwurzeln. Sonst wirkt die Spanne zwischen Forderung und Realität demoralisierend, sie hemmt die Aktivität und erzeugt jenes viel- 13