Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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und seiner treibenden Schicht, der Arbeiterschaft, ihrem unverwüstlichen Glauben an das Gelingen des Werkes. Die heutige Lage nun ist gebessert, vor allem auch moralisch in der Gesamtstimmung. Immerhin leiden weite Kreise noch. Der Schwerpunkt liegt heute in den Pflanzungskolonien. Nur hier kann die kommende Alijah untergebracht werden, 10 000 neue Arbeiter und mehr können in den nächsten Jahren dort Arbeit finden. Die Arbeit in diesen Kolonien muß jüdisch werden. Der Kampf um die Erhaltung der jüdischen Arbeit in Herziiah und Kfar Saba, die Durchsetzung der jüdischen Arbeit in Petach Tikwah und Chederah sind die Voraussetzungen der Verwirklichung der neuen Alijah. Heute verdient der Arbeiter in der Kolonie 3—4 £ im Monat. Die Miete eines Zimmers stellt sich aber fast auf die Hälfte dieser Summe. Stellt der nächste Kongreß und die Bewegung nicht die Mittel zur Ansiedlung der Arbeiter am Rande der Kolonien zur Verfügung — wodurch allein diesen Menschen Erhaltungsmöglichkeit zu geben ist — so ist es fraglich, ob die jüdische Arbeit in den Kolonien auf die Dauer zu halten ist. — Auch die Industrie hat begründete Aussicht auf Entwicklung; sie kämpft aber verzweifelt gegen die Industriepolitik der Regierung, die rein fiskalisch geführt wird. So liegt z. B. auf Zucker ein Einfuhrzoll von 70 oo, auf Luxus waren ein solcher von 15 o,o. Im Kampf dagegen liegt eine gemeinsame Front der Beziehungen zwischen Arbeitern und Arbeitgebern. Diese Beziehungen leiden durch die kleinkapitalistische Auffassung vieler Arbeitgeber. Die Arbeiter werden von manchen Arbeitgebern schon als Bolschewisten verschrien, wenn sie Minimallöhne, Achtstundentag und dergl. verlangen. Der ganze Jischuw ist dafür, daß alle Kapitalien, die nach Palästina wollen, den Weg geöffnet finden. Deshalb ist man im Lande auch für die Jewish Agency, weil hier ein großer, vielleicht letzter Versuch einer Erweiterung der Basis der Vollansiedlung gemacht wird, die nur durch Aktivierung großer Mittel zu erreichen jst. Vor den möglichen Folgen der Heranziehung von Nichtzionisten aber hat der Jischuw, hat die Arbeiterschaft keine Angst. In diesen zwei Jahren hat man wieder gelernt, auf sich zu vertrauen. Man weiß, daß die Kraft und die Entscheidungen der Siedler selbst die Tätigkeit der Agency bestimmen werden und nicht der theoretische Wille der Geldgeber. Obschon auch heute die Arbeitslosigkeit nicht ganz überwunden ist, begrüßte der "Jischuw dennoch mit Jubel die neue Alijah. Es ist unmöglich, den Taumel der Begeisterung zu beschreiben, der herrschte, als das erste Schiff mit neuen Chaluzim, etwa 150 Menschen, ankam. Aus allen Kolonien waren Arbeiter herbeigeströmt, um die Ankommenden zu sehen und zu begrüßen. Es handelte sich ja nicht um diese 150 Leute, sondern es war das erste sichtbare Zeichen für die Ueberwindung der Krise, das Zeichen, daß es wieder vorwärts geht in Palästina. Die Einwanderer wurden restlos sofort in Arbeit gebracht. Wir stehen vor einer neuen größeren Alijah. 4 000 Menschen mindestens werden im nächsten Jahr erwartet. Diese Menschen müssen wissen, was drüben sie erwartet. Eine gründliche Berufsvorbereitung, ferner Hebräisch und schließlich zionistischer radikaler Wille sind unerläßlich, um sich durchzusetzen. Darüber hinaus ist es notwendig, die Einwanderung durch Zusammenfassung von Gruppen zu erleichtern, wie bei der diesjährigen Alijah. Denn es gibt nichts Schwierigeres, wie als Einzelner nach Palästina zu gehen. Der K. J.V.er tut das ja fast 10