Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1929)
- Date
- 1929-05-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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immer und aus dieser Isolierung heraus, die oft auch eine sprachliche ist und die Menschen vom wirklichen kulturellen und gesellschaftlichen Leben des Jischuw separiert, entsteht dann die Stimmung vieler Schreiber im Palästina-J. St. Noch für lange wird Palästina auch von den in „bürgerlichen" Berufen Beschäftigten Opfer fordern, Umstellung der gesellschaftlichen Begriffe und Wertungen; dies sich nicht klar gemacht zu habqn, ihre persönliche Unfähigkeit, diese Umstellung zu vollziehen, nicht begreifen zu können, und statt dessen die Umwelt anzuklagen, ist der große Fehler dieser Menschen; und der vernichtende Eindruck, den der Palästina-j. St. auf manche K. J. V.er machte, ist nur dadurch zu erklären^ daß sie diese Hintergründe des „Pessimismus" nicht durchschauten. Jawohl, Chaluziuth, Hingabe, Opferwille, Anpassungsfähigkeit an die große Masse der Bevölkerung: das ist nach wie vor die Vorbedingung für eine befriedigende Existenz im Lande; wer all dies nicht aufbringt, der wird zurückgehen oder „Pessimist" sein. Man soll einmal lernen, daß das Scheitern Einzelner im Lande nicht gleich stets „Symbol" des Scheiterns des Werkes zu sein braucht; daß es auch drüben ein Scheitern infolge individueller Fehler gibt. Geht man von solcher Einstellung aus an den Palästina-J. St. heran, so wird vieles klarer; und die Konsequenzen, die der Einzelne, der hinüber will, zu ziehen hat. sind eben: klare Erkenntnis der Dinge, kein Hochmut aus dem Gefühl „höherer Zivilisation" heraus, Opferwille, Kenntnis der Sprache und der Menschen sowie des Berufes usw. Für Menschen dieser Art wird Erez-lsrael in den kommenden Jahren in größerem Ausmaß, vor allem in körperlichen Berufen, aber mit dem Wachsen des Jischuw auch in geistigen und freien Berufen Aufnahmemöglichkeit haben. Nach dem Karielliag. Von Hans Cape 11 (V. J. St. Hatikwah, Köln a. B.) Auf der Fahrt nach Frankfurt gab ein Bundesbruder der Befürchtung Ausdruck, daß dieser Kartelltag langweilig werden würde, langweilig wohl in dem Sinne, daß er sich in der Erledigung technischer und organisatorischer Angelegenheiten erschöpfen würde. Der Verlauf des Kartelltages hat für den, der ein Organ für den Gehalt einer Tagung hat, gezeigt, daß diese* Befürchtung unbegründet war. Damit soll nicht vollste Zufriedenheit mit dem Verlauf ausgedrückt werden. Es sollen auch nicht rhethorische Wirkung und sachlicher Inhalt der großen Reden der Bundesbrüder Nahum Goldmann und Richard Lichtheim zum Wertmesser der Tagung erhoben werden. Vielmehr scheint mir das ein Maßstab zu sein, ob das Ringen um die Klärung unserer seelischen und geistigen Position, das Suchen um Wege persönlicher Verwirklichung dies Zionismus und der Geist bundesbrüderlichen Verstehens in den Verhandlungen des Kartelltages — wenn auch nur unbeholfen, vielleicht auch nur unvollkommen — ihren Ausdruck gefunden haben. Dieser Kartelltag unterschied sich grundlegend von den beiden vorhergegangenen. Die Atmosphäre gegenseitigen Mißtrauens ist geschwunden. Es heißt heute nicht mehr unter Ausspielung persönlicher Gegensätze „hie Gruppe Lichtheim — hie Gruppe Kanowitz". Die Kernfrage heißt heute: 11