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Der jüdische Student · 1929-05-01 · Heft 5 (Mai 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 5 (Mai 1929)
Date
1929-05-01
Page
[Seite] (sequence 8)
Language
German
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Palästina - Referat. Gehalten von WalterPreußauf dem 9. Kartelltag. Es ist schwer, über Palästina zu berichten. Schwer deshalb, weil so viele widersprechende Nachrichten im Umlaufe sind, daß es kaum möglich ist, diesen Nebel zu durchdringen. Schwer vor allem auch deshalb, weil der Konnex zwischen Palästina und der Oaluth naturgemäß so schwach ist, daß der Hörer, der Palästina persönlich nicht kennt, auch aus Berichten schwer einen konkreten Eindruck gewinnen kann. Aufgabe eines solchen Referats ist es, zu versuchen, die Tatsachen zu klären. Wenn ich trotz dieser Schwierigkeiten dieses Referat übernommen habe, so, weil es in diesem Moment möglich ist, eine Epoche abschließend zu charakterisieren, die man als Epoche der Krisis bezeichnet. Mir scheint, daß das hervorstechendste Merkmal dieses Augenblicks die lieber Windung der Krise durch die ökonomische und zionistische Kraft des Jischuw ist. Um das zu verstehen, muß ich kurz über die Gründe der Krise von 1926 sprechen, wie sie sich einem aufmerksamen Beobachter darstellen. Die Gründe der Krise von 1926 sind nicht, zumindest nicht ausschließlich, im Lande selbst zu suchen. Sie bestanden zunächst in der Disproportionalität zwischen den öffentlichen und den privaten Kapitalien. Es gelang nicht, die privaten kleinen Kapitalien, die ins Land strömten, unter dem Einfluß einer überlegenen zionistischen Wirtschaftsführung produktiv anzulegen. Sie suchten sich die leichtesten Anlagen aus, die zugleich die wenigst produktiven waren: Bodenspekulation, städtischen Häuserbau u. ä. Die Zionistische Organisation war nicht in der Lage, dem Privatkapital den Wreg zu weisen. Die Folge war die Ueberspekulation, die schließlich mit einem Schlage die kleinen Kapitalien vernichtete. Der Krach kam ganz plötzlich und hinterließ ein Heer von über 7000 Arbeitslosen. Anfang 1927 schien die Lage verzweifelt. Der Ausweg wurde im Jischuw selbst gefunden. Die Arbeiterschaft — das einzige Element, das organisiert war und bewußt produktiven Willen besaß — setzte ihre ganze Kraft ein im Sinne einer Produktivierung der erreichbaren Mittel. Sie erklärte, die Arbeitslosenunten* Stützung müsse in produktive Unterstützung umgewandelt werden, die Regierung müsse Arbeiten vergeben. Man müsse die Arbeitslosen aus Tel- Awiw wegführen, sie auf dem Lande beschäftigen. Erst nach schweren Kämpfen stimmte die Exekutive der Umwandlung des Budgets zu. So wurden durch die produktive Unterstützung Häuser in den Siedlungen gebaut, Drainagen durchgeführt. Die Stimmung im Lande begann sich, nachdem einmal der Hebel angesetzt war, zu heben. Nach und nach fanden sich Menschen, die Kapital in der Landwirtschaft anlegten. Die Plantagenwirtschaft nahm in den letzten Jahren stark zu. Es werden heute 10 000—12 000 Dunam jährlich für den Orangenanbau gekauft. Im ganzen stehen etwa 200—250 000 Dunam in Palästina dafür zur Verfügung; von ihnen sind gegen 60 000 in jüdischem Besitz (Privat- und Nationalfondsiboden). Die Orangenwirtschaft hat eine große Anzahl Arbeiter absorbiert; ihre Zahl stieg von 2 (MM) auf 6 000. Auch die Industrie hat sich seit 1920 gut entwickelt. Die Fabriken in Haifa und Tel-Awiw nahmen großen Aut- H

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