Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 54)
- Language
- German
- Belongs to
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sehen. Diese Pflicht zur jüdischen Arbeit hätten auch die Alten Herren des Kartells. Das Präsidium müsse auch sie dazu zwingen. Hans Anton Wolff glaubt, daß die Aufgabe der nächsten Jahre noch nicht Chahiziuth sein könne, sondern Hebraisierung, um den Anschluß an die übrige jüdische Welt zu gewinnen. Die von Kanowitz geforderte Auseinandersetzung mit der Umwelt habe dagegen augenblicklich mehr theoretischen als praktischen Wert. Von der Altherrenschaft sei zu fordern, daß sie sich durch Aufnahme unmittelbarer Wirtschaftsbeziehungen zu Palästina in ständig höherem Maße mit Palästina verknüpfe. Ernst Halitzki erklärt, daß die Politik der Appelle, welche das Kartell immer wieder zu unrealisierbaren Aufgaben aufrief, von dem gegenwärtigen Präsidium abgelehnt worden sei. Auch für die Zukunft müsse diese Linie der Arbeit beibehalten werden. Es komme für die nächste Zeit darauf an, die unklaren und unsicheren Vorstellungen, welche die jüngeren Bundesbrüder vom Zionismus hätten, durch klare eindeutige Erkenntnisse zu ersetzen und die jungen Menschen zu konkreten Aufgaben zu führen. In gleichem Sinne sei auch die jahrelang vernachlässigte Altherrenarbeit neuzugestalten. Fritz Miliner verwahrt sich dagegen, daß der K. J. V. in der großen Auseinandersetzung zwischen Faschismus und Bolschewismus die Rolle des Schiedsrichters übernehme. Es gehe unter keinen Umständen an, den jungen Bundesbruder in der einen oder anderen Richtung festzulegen. Paul Hirsch gibt seinem Erstaunen darüber Ausdruck, daß durch den Palästina-J. St. einige Bundesbrüder so sehr erschüttert worden seien. Er zweifle nicht daran, daß, würde man die Verfasser dieser Nummer fragen, ob sie zurückkehren wollten, sie mit „Nein" antworten würden. Wir seien nicht dazu da, über diesen J. St. erschüttert zu sein, sondern dazu, jenen Bundesbrüdern zu helfen. — In Licht heims Referat sei seiner Meinung nach das Problem der Zionistischen Organisation zu kurz gekommen. Die Organisation zerfalle mehr und mehr. Verhältnismäßig stark sei sie noch in Deutschland. Es sei eine der Aufgaben des Kartells an der Erhaltung dieser einheitlichen, geschlossenen Organisation mitzuarbeiten. — Zionistischer Nationalismus könne nicht bedeuten: Faschismus gegen Sozialismus, sondern nur Festhalten am jüdischen Gemeinwesen in Palästina. Wohin Chauvinismus führe, hätten wir alle im Weltkriege genügend zu spüren bekommen; auch aus diesem Grunde sei der Faschismus abzulehnen. Freilich dürfe im Kartell auch nicht die Seelenruhe der Bourgeois Platz greifen. Das Kartell solle den jungen Bundesbrüdern seelische Heimat sein und zugleich die Stätte, an der sie Impulse empfangen, vorwärts zu streben zu zionistischer Leistung. Schluß der Generaldebatte. Richard Lichtheim (Schlußwort): „Mehrere Diskussionsredner haben den Sinn meiner Ausführungen mißverstanden. Das gilt besonders von P r e u ß, der darin einen Angriff auf den Sozialismus sieht und auch P o 11 a c k , der darin eine Verurteilung des Faschismus erblickt. Ich möchte deutlich betonen und bitte diesen Grundgedanken festzuhalten, daß mir an theoretischen Auseinandersetzungen 54