Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 52)
- Language
- German
- Belongs to
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Kenntnisse aufweisen sollen. Es ist jetzt so, daß 50 o/o aller Burschen und Alten Herren, nicht einmal richtig Hebräisch lesen können. Oleichzeitig müssen auch unsere äußeren Formen einen hebräischen Charakter haben. Es wird behauptet, wir wollen die Kerntruppe sein. Wir sollen bereit stehen, um bei jeder Gelegenheit nach Palästina zu gehen, aber noch fehlen alle Prämissen dazu." Boris Eisenstadt: „In meinen kurzen Ausführungen will ich nicht zu der Frage Revisionismus oder Sozialismus Stellung nehmen. Ich bin im Laufe dieses Jahres zu der Erkenntnis gekommen, die auch aus den Ausführungen von Nebenzahl hervorging. Vielleicht spricht er aus, was die Mehrzahl des Kartells denkt. Es muß sich eine Pioniergesinnung und eine chaluzische Schicht bilden, im geistigen Sinn, eine Schicht, die nach Möglichkeit aus besten Juden bestehen soll. Ich glaube, daß die Mehrheit des Kartells heute noch nicht dazu reif ist, aber ich kann mir nicht denken, daß die ganze westliche Jugend so sein soll. Ich habe den tiefen Glauben, daß eine kleinere Schicht schon jetzt da ist, und man muß sie vergrößern. Ich möchte betonen, wir zionistische Sozialisten innerhalb des K. J. V. fühlen uns durchaus als legitime Gruppe. Wir erkennen aber nicht an: Hie K. J. V. — hie J. J. W. B. Zionistischer Sozialismus steht nicht im Gegensatz zum Zionismus. Es gab in der gesamten jüdischen Geschichte fast keinen Fall, wo man sich die Befreiung dachte losgelöst vom Sozialismus. Ich stelle mir vor, daß der Messiasglaube gleichzusetzen ist mit dem Glauben an die Lösung der jüdischen Frage. Auf der einen Seite sagt Lichtheim, der Sozialismus ist bankrott. Wo sind die bisher schon sichtbaren nationalen Erscheinungen? Ich sage dagegen: Man soll mir zeigen, wo zionistische Sozialisten sozialistischen Gestaltungswillen gezeigt haben, dessen Durchführung zu nationaler Destruktion geführt hat. Unser Klassenkampf wird darum geführt, daß man Palästina auf die Dauer nicht dem jüdischen Arbeiter versperrt. Die Aufgaben des K. J. V. innerhalb des deutschen Zionismus sincl, die Bundesbrüder dazu anzuhalten, sich zunächst einmal weltanschauungsgemäß zu entschließen zum zionistischen Sozialismus oder zum bürgerlichen Zionismus und dann zu versuchen, den geklärten zionistischen Sozialismus in die zionistisch-sozialistischen Kreise zu tragen um dort alle die Unklarheiten zu beseitigen. Dort hat nur der keinen Erfolg, von dem man weiß, daß er gar kein Sozialist ist und die tragischen Schwierigkeiten nicht empfinden kann. Wir brauchen gerade in Deutschland die intellektuelle Schicht, die sich uns anschließt. Innerhalb des K. j. V. können die entstehen, die uns in der bestehenden Not helfen können. Wenn Lichtheim von der Leichtfertigkeit gesprochen hat, mit der man im J. J. W. B. mit dem Zionismus umgeht, so stimmt das nicht. Das sind Menschen, die ihren Zionismus zu verwirklichen suchen. Wir sehen, daß eine starke Sehnsucht sie zum Vaterland treibt und starke Verwirklichungsfähigkeit. Im J. J. W. B. ist Leben und nicht nur Kenntnis. Die Aufgaben der K. J. V.er sind groß und bedeutungsvoll, die der bürgerlich gesinnten im bürgerlich-zionistischen Lager, die der Sozialisten im sozialistisch-zionistischen Lager." 52