Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 51)
- Language
- German
- Belongs to
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wenn wir es ernsthaft lesen, wohl alle aus unseren bisherigen Vorstellungen heraus. Blumenfeld sagte, er vermisse in diesem J. St. ein Wort, das erkennen lasse, daß diese Bundesbrüder fühlten, im Dienst einer großen Bewegung zu stehen. Dieser J. St. zeigt meiner Meinung nach, daß unsere Bundesbrüder unter der Verwirklichung ihres Zionismus leiden. Wie man dem mit moralischen Forderungen entgegentreten kann, ist eine Frage für sich. Dieser J. St. zeigt viel Enttäuschung, die einem zu denken geben muß. Es gibt zwei Möglichkeiten zur Erklärung dieser Tatsache: entweder die Menschen oder irgendetwas an der Sache taugt nicht. Blumenfeld scheint das erstere zu wählen, er meint, dieser Sache seien wir nicht gewachsen. Vielleicht gibt es im Osten welche, die das sind, aber unter uns gibt es keine. Doch ich denke, man muß den Mut aufbringen zu sagen: in dieser Form taugt die Sache nichts für uns. Man muß doch verlangen, daß der Zionismus auch für die kleinen Menschlein tauge, die der großen Idee nicht gewachsen sind. Und das Kartell muß sich auch hierüber klar werden. Es ist richtig, daß man sich schulen soll, aber es ist doch ein Symptom, wenn niemand oder doch nur ein ganz kleiner Kreise erklärt, er fühlt sich den Aufgaben gewachsen; wenn niemand von den Bundesbrüdern in Palästina mit seinem Dasein drüben zufrieden ist. Ich kann nur die Vermutung aussprechen, daß hier irgendwo ein Fehler in der Kalkulation liegt. Man müßte doch auch für den deutschen Juden einen Zionismus finden, der für ihn paßt. Wie wollen wir eigentlich keilen, wenn wir einen solchen J. St. in der Hand haben? Ich muß doch etwas haben, womit ich zu dem jungen Menschen kommen kann, muß ihm sagen können: Es ist zwar manches schief gegangen, aber wir werden unsere Lehren daraus ziehen. Es muß also doch eine Bejahung des Galuth geben. In den Zeiten, wo uns Palästina so wenig geben kann, muß uns doch das Galuth etwas sein. Von dieser Seite müssen wir unsere Aufgaben heute anpacken, wenn wir vorwärts dringen wollen. Wir müssen uns besinnen, wie wir gegen die Assimilation kämpfen können. Wir leben als Westler, also müssen wir uns mit der westlichen Assimilation auseinandersetzen und müssen versuchen, sie schon hier zu überwinden." Lazar Reinen: „Am liebsten hätte ich zu Euch in einer Sprache gesprochen, die ich besser spreche als die deutsche und hätte das für viel wichtiger gehalten als alles andere. Im Gegensatz zu den bisherigen Rednern möchte ich nicht über politische Aufgaben des Kartells sprechen. Ich ersehe aus der Stimmung des * Kartells, daß niemand meine Sache vertreten wird. Ich bedauere auch, daß ich im Referat von L i c h t h e i m nichts über die hebräische Arbeit im Kartell gehört habe. Ich will ihm keinen Vorwurf daraus machen, denn für ihn ist Bejahung des Hebräischen keine Streitfrage. Ich muß aber die Frage aufgreifen, damit die Bundesbrüder in der Diskussion dazu Stellung nehmen können. Meiner Ansicht nach muß die Hebraisierung von der Aktivitas ausgehen. Die primäre Forderung unserer weiteren Erziehungsarbeit ist die Hebraisierung des Kartells. Wir müssen unsere Burschenprüfungen ändern, und zwar so, daß die Prüflinge schon im Burschenexamen gewisse hebräische 51