Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 50)
- Language
- German
- Belongs to
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ein Zionist zu sein vermag, erst ihre Schönheit und Wirksamkeit entfalten können. Man hat unserem jungen Kartell die Palästina-Nummer des J. St. vorgelegt. Lichtheim und ich können sie mit großem Interesse lesen. Unseren jungen Bundesbrüdern müssen wir zu diesem J. St. Kommentare geben, und ich fürchte, daß sie auch aus diesen Kommentaren keine befriedigende Aufklärung erhalten werden. Man muß schon vieles verstehen, um hinter all den durchaus persönlichen Artikeln eine ungebrochene zionistische Zuversicht zu finden. Der Wissende wird sich auch hüten, vom Zusammenbruch des Blau-Weiß zu sprechen. Ihm wird klar sein, daß der starke Wille zum Pioniertum die beste Leistung des Blau-Weiß gewesen ist, daß Pioniere in vielen Fällen dem Untergang geweiht sind, daß eine jugendliche Pionierbewegung zunächst ihren inneren Gesetzen gehorcht, ihre Fehler macht und schließlich doch erreicht, daß nach Jahren und Jahrzehnten gleich geartete Menschen sich durchsetzen können und sich im Lande verwurzeln. Der Zionismus muß Palästina durch Pioniere erobern. Und solange es Pioniertum gibt, wird es auch uns vertraute, gerade mit dem Pioniertum verbundene menschliche Zusammenbrüche geben. Es gibt eben auch unter Pionieren immer nur gezählte Menschen, die während ihres ganzen Lebens die nämliche Zuversicht, die nämliche seelische Spannungsweite sich bewahren können. Wird hier ein Zionist zum Philister, nun so verschwindet er geräuschlos aus den Reihen der aktiven Zionisten. Wenn sich ein Zionist in Palästina nicht hält, so erblicken zahlreiche Philister in seinen gescheiterten Hoffnungen eine Rechtfertigung für ihre verminderte zionistische Intensität. Unsere Bundesbrüder, die heute in Palästina leben, sind ein Beweis für gute K. J. V.-Erziehung. Wir müssen wünschen, daß die Zahl dieser Bundesbrüder wächst, und wir dürfen uns nicht mit der Meinung begnügen, daß unser jüdisches Volk in Palästina nur durch eine östliche Einwanderung bereichert werden kann. Auch unter diesen sogenannten Oestiern gibt es genügend Menschen, die sich in ihren Lebensbedingungen wesentlich verschlechtert haben, die unter dem Mangel an einem entsprechenden Kulturmilieu und unter dem Mangel an äußerem Komfort leiden und die dennoch unter keinen Umständen das Land verlassen wollen. Alle K. J. V.¬ Erziehung muß dahin führen, daß auch aus dem K. J. V. künftige Bürger Palästinas hervorgehen, Menschen, die alles tun, um vorbereitet und in einer ihnen möglichst -entsprechenden, aber auch oft äußerlich verschlechterten Position in das Land zu gehen. Das Ergebnis alles Lernens und aller zionistischen Selbstbehauptung muß also ein fester zionistischer Charakter sein. Das nächste Jahr soll dem K. J. V. Gelegenheit geben, die Voraussetzungen für den Zionismus unserer Bundesbrüder zu verbessern. Der K. J.V. muß als Kind unserer Zeit imstande sein, die zionistische Erkenntnis gegenüber den Strömungen der Zeit zu vertreten und durchzusetzen." Ernst Nebenzahl: „Ich habe im vorigen Jahre die Generaldebatte mit dem Hinweis auf organisatorische Dinge beginnen müssen. Das ist jetzt nicht mehr nötig. Wir haben glücklicherweise wieder andere Sorgen. Was wir in der letzten Nummer des J. St. zu lesen bekamen, wirft uns, 50