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Der jüdische Student · 1929-04-01 · Heft 3-4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 3-4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 48)
Language
German
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Zusammenhängen herauszureißen, die ja unserer Meinung nach nirgends existieren. Wir haben uns vielmehr bemüht, Juden nachzuweisen, daß sie in entscheidenden menschlichen Beziehungen Entwurzelte sind und daß wir sie in ihren natürlichen Bedingungen verwurzeln wollen. Zionisten wurden solche Menschen, denen man überzeugend zeigen konnte, daß sie weder in konkreten nicht jüdischen Gemeinschaften noch' in allgemein geistigen Bewegungen ihre wahre Heimat, den Ort der Verwirklichung finden können. Der Ruf: Wir wollen nicht Moskau, wir lehnen einen nicht national gebundenen Sozialismus ab, wir bekämpfen den Klassenkampf in Palästina, ist belanglos, wenn er nicht verbunden ist mit solcher Belehrung, die in der Kenntnis und Beherrschung der wichtigsten Erscheinungen unserer Zeit den Nachweis zu erbringen vermag, daß die Voraussetzung für jede wirksame und legitime Betätigung eines Juden im jüdisch-nationalen Zusammenhange gegeben ist. Wer den Klassenkampf in Palästina oder seine antinationalen Auswüchse bekämpfen will, der muß dafür sorgen, daß soziale Bedingungen geschaffen werden, die ihn mildern oder vorübergehend überflüssig machen. Die nationale Verantwortlichkeit aller Schichten für einander muß in sichtbaren Einrichtungen offenbar werden. Wunschbilder können auf diesem Gebiete niemals Einrichtungen ersetzen, die es Menschen erst möglich machen, gemeinsame nationale Aktionen durchzuführen. Auch der Ruf nach Ablehnung sogenannter Modeströmungen kann bestenfalls eine vorübergehende psychische Wirkung ausüben. Der Hörer wird bald merken, daß mit Modeströmung jede tatsächliche Lebenserscheinung bezeichnet wird, die dem Redner nicht paßt und daß auch der Redner im Grunde nur einer sogenannten Modeströmung im Zionismus zum Siege verhelfen will. Was anders bedeutet sonst das Schlagwort Rom oder Faschismus, das heute oft von Wortführern gebraucht wird', die sozialistische Tendenzen als angebliche Modeströmungen erklären. Täuschen wir uns doch nicht darüber, daß wir auch als Zionisten immer gleichzeitig Kinder unserer Zeit sind und daß Reden, wie sie heute gehalten werden, vor fünf oder vor zehn Jahren nicht gehalten werden konnten, und daß es für uns immer wieder darauf ankommt, nachzuprüfen, inwieweit wir tatsächlich unser zionistisches Werk innerhalb der Weltströmungen durchsetzen können. Prüfen wir einen Augenblick das Schlagwort „Rom" nach: ich weiß nicht, wie es mit meinen demokratischen Gefühlen bestellt ist, aber ich weiß, daß meine Forderung nach Demokratie der tatsächlichen Situation der Juden entspricht. Jüdische Aktionen können nur auf der Grundlage der Freiwilligkeit durchgeführt werden. Diktatur ist nur möglich, wo es reale Macht gibt und wo auch Widerstrebende sich dem Zwang fügen müssen. Solange jeder Jude sich nach freiem Ermessen seinen Platz in der jüdischen Welt wählen kann, bleibt uns glücklicherweise nichts anderes übrig, als ihn zu überzeugen, und wenn er überzeugt ist, ihm das Gefühl zu geben, daß er als gleichberechtigtes Glied an der Gestaltung des allgemeinen Werkes teilnimmt. Dem geschulten Zionisten wird also, auch wenn Demokratie seinen natürlichen Neigungen widerspricht, die Aufrechterhaltung demokratischer Formen in der zionistischen Weit notwendig erscheinen müssen. Junge Kommu- 48

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