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Der jüdische Student · 1929-04-01 · Heft 3-4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 3-4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 46)
Language
German
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zionistisch denken und wollen. Auch heute bekamen wir einen Begriff von der zionistischen Verfassung unserer Bundesbrüder und von ihrem Verständnis für zionistische Fragen. Das ist für uns in jedem Fall wichtig. Ich will es unterlassen, auf die hier gehaltenen Reden kritisch1 einzugehen. Nicht einmal die widerspruchsvolle Rede von Bbr. Lewin will ich schelten, der sich ebenso häufig wie unfundiert gegen die Leitung der zionistischen Arbeit in Deutschland gewandt hat. Ich würde auf seine Angriffe erwidern, wenn sie begründet wären. Es wäre übrigens gut, wenn man Beschwerden gegen unser Präsidium ebenso unbehindert und ungestört vorbringen könnte. Es gab eine Zeit, in der es schjwer war, Zionist zu werden, abev leicht, Zionist zu sein. Der Zionist war im Besitz der erlösenden Formel für die judenfrage. Es gab noch keine palästinensische Wirklichkeit, in der sich der Zionismus zu bewähren hatte. Heute ist es fast umgekehrt. Zionist sein ist eine schwere Aufgabe. Für jeden von uns entsteht täglich aufs Neue die Frage: wie können wir als Zionisten im Galuth leben. Und der immer erneute Versuch der Beantwortung dieser Frage ist ein Hauptteil der Arbeit jeder zionistischen Erziehungsorganisation, also auch unseres K. J. V. Es hat keinen Sinn, sich die Beantwortung dieser Frage leicht zu machen, da ,es sich doch sofort herausstellt, ob ein Zionist mit zu kurz gedachten, oberflächlichen Antworten auskommen kann. Die nur deklamatorischen Reden, voll von Beteuerungen, Bekenntnissen und Postulaten, wirken peinlich. Gerade für die Beantwortung dieser Frage des zionistischen Lebens darf man ein Wort Lichtenbergs heranziehen: „Es kommt nicht so sehr darauf an, welche Meinungen ein Mensch hat, sondern darauf, was diese Meinungen aus ihm machen". Unser Ziel ist die volle Verwirklichung des Baseler Programms. Es handelt sich um ein ungeheures Werk, für dessen Durchführung die Kräfte des jüdischen Volkes vermutlich ausreichen würden, wenn dieses Volk bereit ist, dieser vom Zionismus aufgegebenen Arbeit zu dienen. Ein erheblicher Teil des jüdischen Volkes, wahrscheinlich der weitaus größere Teil, will unser Ziel nicht. Niemand weiß das besser als ich, der ich seit vielen Jahren bemüht bin, außenstehende Kräfte unserem Werke zu verbinden. Sogar in der zionistischen Welt will nur ein Teil ernsthaft das Baseler Programm ins Leben umsetzen; ein sehr erheblicher Bruchteil, vielleicht auch hier die Mehrheit, besteht aus passiven Mitgliedern, die es verstehen, sich der Erfüllung der zionistischen Pflichten zu entziehen. Menschen und Geld brauchen wir. Es ist daher eine billige Redensart zu sagen, die Zionistische Organisation soll keine Sammelmaschine sein. Es wäre sinnlos, über Geld zu reden, wenn man es hätte. Wenn aber materielle Mittel die stärkste Voraussetzung für die Verwirklichung unseres Zieles sind, und diese Mittel uns fehlen, weil auch Zionisten am schwersten Geldopfer für ihre Sache bringen, so werden wir gezwungen, unsere größte Sorge der Frage der Finanzierung unseres Werkes zuzuwenden. Zwischen materiellen Leistungen und menschlichen zionistischen Qualitäten besteht der engste Zusammenhang. Wir können nur solange an die Kräfte der zionistischen Idee glauben, als es zahlreiche zionistische Menschen gibt, die Tag und Nacht nichts anderes denken und tun als 46

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