Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 40)
- Language
- German
- Belongs to
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oder weniger radikalen sozialistischen Richtung einerseits und einem Nationalismus anderseits. Es gibt auch im K. J. V. die Möglichkeit und die Notwendigkeit, sich für das eine oder andere zu entscheiden. Die Dinge in der Mitte, die Formeln eines politischen und wirtschaftlichen Liberalismus, werden sich mit der Zeit überleben. Die bürgerliche Welt, aus der unser Zionismus stammt, hat schon heute keine Gültigkeit mehr, weder staatspolitische, noch wirtschaftspolitische, ganz gewiß keine kulturpolitische. Es gibt sehr viele tinter uns, die — besonders, wenn sie wie ich aus dem marxistischen Lager stammen — sich nicht zum Sozialismus bekennen können. Was bleibe ihnen übrig, wenn sie einen idealistischen und aktiven Zionismus wollen? Nichts als jene Richtung, die hier mit einem nicht ganz adäquaten Ausdruck als faschistische bezeichnet wurde, die zu einer ganz bestimmten menschlichen Einstellung führt; die idealistisch ist wie die der Arbeiterklasse, aber von ganz anderen menschlichen, ganz anderen weltanschaulichen Voraussetzungen ausgeht. Wenn junge westeuropäische Juden heute noch einen Impetus haben wollen, der sie menschlich und zionistisch vorwärts reißt, ihnen innere Freiheit gibt, so ist das nicht anders möglich als durch ein großes, menschlich' großes Vorbild. Das kann der sozialistische Zionismus geben; der bürgerliche nur, soweit er aktivistisch, revisionistisch ist. Vor diese Auseinandersetzung zwischen Sozialismus und Revisionismus' wird das Kartell binnen Kurzem gestellt sein. Was kann eine K. J. V.-Leitung zur zionistischen Aktivierung und Intensivierung der Bundesbrüder unter diesen Umständen tun? Ich glaube, daß es richtig ist, was Blumenfeld gestern sagte, nämlich, daß keine organisatorische Institution den zionistischen Gehalt eines Bundes bestimmen kann. Sie kann nur Voraussetzungen schaffen. Aber was an zionistischer Entwicklung da entsteht, ist eine ganz andere Sache. Diese Entwicklung ist bestimmt durch das Maß, in dem ein Bund teilhat an dem geistigen Leben seiner Umwelt, in erster Linie der zionistischen Umwelt. Es wird notwendig sein, eine unmittelbare Auseinandersetzung aufzunehmen vor allem mit der zionistisch-sozialistischen Jugend, die uns zu entgleiten scheint. Infolge ihrer proletarischen Existenz sind viele unendlich starke äußere Momente vorhanden, welche diese Jugend vom zionistischen Sozialismus fortschwemmen in die allgemeine sozialistische Bewegung, in der sie für ihren alltäglichen Lebenskampf vielleicht größere reale Chancen, größere materielle Erfolge hat. Aus diesem Grund müssen wir kämpfen, kämpfen u m diese Menschen, nicht gegen sie. Wir K. J. V.er sind diesen wirtschaftlichen Nöten nicht in diesem Maße ausgesetzt und haben daher die Möglichkeit und die Verpflichtung, Menschen zum Zionismus, zum integralen, unbourgeoisen, aber auch nicht mit Proletkultideologie verquickten Zionismus zurückzuführen. Es werden Leute kommen, die den J. J. W. B. besser kennen wollen und sagen, er sei viel zionistischer als wir selbst. Das stimmt aber nicht. Vielleicht hat der J. J. W. B. auf dem Gebiete des Hebräischen etwas vor uns voraus. Aber das sei hier betont, Hebräisch an sich ist doch nichts. Es bedeutet nur dann etwas, wenn man es kann und können will als Z i o n i s t. Hebräisch können* Kameraden und Ilj auch. Und doch sind sie Nichtzionisten. Nichtzionisten 40