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Der jüdische Student · 1929-04-01 · Heft 3-4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 3-4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 39)
Language
German
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Die Verhandlungen des Plenums werden am Montag vormittag um 11 Uhr mit der Debatte zu Lichtheims Referat fortgesetzt. Walter Preuss: „Ich hatte nicht die Absicht, nach siebenjähriger Abwesenheit von Deutschland in eine Debatte über K. J. V. und Zionismus einzugreifen, sondern freute mich darauf, einige Dinge im Palästinareferat aus meinen Palästinaerfahrungen bringen zu können. Ich wußte nicht, daß L i c h t h e i m ein so politisches Referat halten würde, das mich zwingt zu reden. Es wird sich nicht vermeiden lassen, mit einigen politischen Dingen zu antworten. Ich wußte, daß mich manches von Lichtheim trennt, aber ich glaubte von ihm, daß er ein klug und sachlich denkender Mensch ist und habe mich gewundert, daß gerade Lichtheim eine solche Verwechslung der Grundbegriffe sich erlauben würde. Lichtheim spricht zu uns im Namen des Primats des Nationalen, und das wird sofort identisch mit dem Begriff des Kapitalismus, als wenn nicht die Wirtschaftsauffassung der Arbeiterschaft von jeher bestimmt gewesen wäre durch den Begriff des Nationalen. Ich wundere mich, daß Lichtheim sich erlaubt, von dem Rückgang der Arbeiterschaft zu sprechen. Als wenn es nicht ein Kinderspiel wäre, vom Bankrott des Kapitalismus zu reden! Als wenn wir nicht vom Scheitern der vierten Alijah wüßten, als wenn nicht der Blauweiß gescheitert wäre, weil er Faschistenzitate nach Palästina getragen hatte. Ich wehre mich dagegen, als wenn die Arbeiterschaft nicht so national wäre wie jeder andere Teil des Jischuw, im Gegensatz zu den Revisionisten, die nie an die schaffende Kraft des Jischuw glauben. 90—95 % des Jischuw sind für die Jewish Agency. Alle wissen: wenn nicht die Kapitalien kommen, haben wir keine andere Chance mehr, wir haben keine Wahl. Einstimmig ist die Arbeiterschaft für die Jewish Agency, weil wir wissen, daß alle erreichbaren Werte, jedes Kapital nach Palästina gebracht werden muß, daß es keine andere Möglichkeit mehr gibt. Wir werden dadurch einen stärkeren Hebel bekommen, der uns ermöglicht, den Jischuw vorwärts zu reißen. Dann wird er vielleicht erhalten bleiben. Wir haben keine Angst vor dem Kapital; wir werden die Arbeiterschaft stärken; der Jischuw wird bestimmen, was geschieht. L i c h t h e i m hat gesprochen von der Kleinsiedlung. Das sei der Grund weshalb er nicht das wirtschaftliche Werk der Arbeiterschaft brauche. Als wenn die Arbeiterschaft nicht jede Art der Kleinsiedlung begrüßt! Das sind geklügelte Formen. Ich kann nicht verstehen, wie es gekommen istr diesen fanatischen Haß gegen die Arbeiterschaft hier einzuimpfen, durch diese nationale faschistische Anti-Arbeiterweise. Meiner Ansicht nach ist es eine Erschleichung, wenn L i c h t h e i m es so darstellt, als wäre der politische Kampf eine besondere Losung des Revisionismus, als wäre nicht der politische Kampf Sache des ganzen Jischuw. Ich werde hier abbrechen, denn in meinem Palästinareferat werde ich rein sachlich diese Dinge begründen können." Hubert Pollack: „Wir wollen die Debatte nicht in dieser Weise fortsetzen. Wir wollen uns hier über Kartelldinge unterhalten und nicht über politische Fragen, die unmittelbar nichts mit dem Kartell zu tun haben. Die Gegensätze, die durch L i c h t h e i m und P r e u ß zum Ausdruck gekommen sind, bestehen in der ganzen Welt, zwischen einer mehr 39

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