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Der jüdische Student · 1929-04-01 · Heft 3-4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 3-4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
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arbeit nie und in keinem Augenblick zu einer Schwächung oder Verminderung des Palästina-Gedankens führen. Es muß alle Galutharbeit immer in dem Empfinden geschehen, daß die eigentliche und wahre und zentrale Aufgabe des Judentums unserer Zeit der Judenstaat in Palästina ist. Wer die Galutharbeit so versteht, braucht kein böses Gewissen zu haben, weil er sich hier und nicht in Palästina betätigt. Ein Seelenkrampf um Palästina kann ja unserer Jugend heute auch nicht mehr helfen. Helfen kann immer nur die Tat. Ein vorwärtsstrebendes, arbeitendes, seelisch ausgeglichenes K. J. V., in dem tausend Kräfte sich regen, ein jeder zu seinem Recht kommt und der frohe Wille zur schöpferischen Tat lebt, ein solches K. J. V. wird seine Rolle im Zionismus wieder gewinnen, wird die Bewegung führen und erneuern. Alles, wovon ich sprach — unsere Haltung gegenüber Palästina und Galuth, die Auseinandersetzung mit dem Pioniergedanken in Palästina, die Forderung nach neuer Fundierung unserer Wirtschaft und Politik — alles dient nur dem einen Zweck: Die Alten Herren und die Jugend des K. J. V. für zionistische Tätigkeit zu gewinnen. Das K. J. V. ist keine Jugendbewegung im Sinne mancher deutscher Jugendbewegungen. Es empfindet seine Aufgabe nicht darin, stürm- und drangerfüllte Jugend „zu bewegen", d. h. im Kreise zu führen, statt zu einem Ziele hinzulenkend Unsere Aufgabe ist der Zielgedanke, d. h. die Erziehung zu Männern, die zur zionistischen Tat fähig und entschlossen sind. Man mache sich die Aufgabe nicht zu leicht! Es sei gewarnt vor geistigem Hochmut, vor Stolz auf Formulierungen und billigen Weltanschauungen. Der Zionismus ist ein nationales und menschliches Experiment, ein Schuß geschichtliches Abenteuer des Judentums, eingebettet in die Strömungen der Zeit, aber auch im Kampf mit diesen Str öm ungen, um seine Eigenart zu behaupten und sein Ziel zu erreichen. Daruni seid tolerant gegen Meinungen und streng bezüglich der Klarheit des Gedankens, und vor allem streng hinsichtlich der Leistungen. Fürchtet Euch nicht vor den ernsten und schweren Verantwortlichkeiten des wirklichen Daseins und des wirklichen Palästina in Theorien, die häufig genug bei uns nur den Wandschirm abgeben, hinter denen sich die Unfähigkeit zum Denken und Handeln verbirgt. Mit vollem Recht hat Goldmann am Eröffnungsabend dieses Kartelltages in seiner großen Rede unserer Jugend vor Augen gehalten, daß sie sich häufig in einem falschen Respekt vor der sogenannten Realität befindet. Diese Realität ist dazu da klar erkannt und durchdrungen, dann aber von unserem politischen Wollen geformt und überwunden zu werden. Das K. J. V. kann dazu berufen sein die zionistische Organisation zu erneuern und die Verwirklichung des Zionismus ein mächtiges Stück vorwärts zu treiben. Das ist der Geist, in dem wir das Kartell leiten wollen." Nach Lichtheims Referat wird die Sitzung geschlossen. Am Abend fand im Handwerkerhaus ein geselliges Beisammensein statt, an dem sich mehr als zweihundert Bundesbrüder mit ihren Damen beteiligten. 38

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