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Der jüdische Student · 1929-04-01 · Heft 3-4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 3-4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 36)
Language
German
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ideologisch geeinten und verjüngten aktiven Palästina-Zionismus zu schaffen, ist die große Aufgabe der heutigen Generationen des Kartells. Und damit komme ich auf ein anderes Problem. Die allgemeine Unsicherheit im Zionismus und das Scheitern der zionistischen Jugendbewegung hat viele Alte Herren skeptisch gemacht und auf die sogenannte Galutharbeit zurückgedrängt, und so steht heute das Problem Galuth oder Zion häufig im Mittelpunkt unserer Diskussionen. Ich behaupte, daß dieses Problem immer bestanden hat und nicht so neu ist, wie die Unwissenheit mancher jüngerer Bundesbrüder glaubt, welche der Meinung sind, daß sie dieses Problem entdeckt haben. Richtig ist, daß der sogenannte Vorkriegszionismus, der sich weniger mit den praktischen Problemen befaßte, zunächst seine Befriedigung darin fand, die Idee der jüdischen Nation neu entdeckt zu haben. Dennoch war das Problem der persönlichen Uebersiedlung nach Palästina auch damals schon vorhanden und wurde vielfach schmerzlich empfunden. Manche von uns sind schon damals nach Palästina übergesiedelt. Ich nenne nur Elias Auerbach und Wilhelm Brünn. Ich habe meine erste Palästinareise auch schon 1910 unternommen und es gab ja auch damals schon eine jüdische Einwanderung, deren Ueberschuß über die Auswanderung jährlich 2000 Köpfe betrug, also mehr, als wir unter dem heutigen glorreichen Regime zu verzeichnen haben. Seit Balfourdeklaration und Mandat sind natürlich die Aussichten und Möglichkeiten der Uebersiedlung nach Palästina viel größer geworden. Der Weg ist offiziell frei gegeben. Und so müßte man annehmen, daß das Problem Zion oder Galuth weniger schmerzlich empfunden wird, weil immerhin doch größere Aussichten als früher für die persönliche Uebersiedlung bestehen, und dennoch muß man zusammenfassend sagen, daß das Problem im wesentlichen unverändert ist, denn wir wußten im Jahre 1910 so gut wie wir es heute wissen, daß nicht alle Juden und auch nicht alle Zionisten nach Palästina gehen können; daß Palästina wohl die zentrale Aufgabe des Judentums ist, daß aber die jüdische Diaspora bleibt und bleiben wird. So ist es verständlich, wenn gegen die sogenannte Entwurzlungstheorie sich von Zeit zu Zeit ein Protest erhebt, und wenn als Gegenpol der Palästinaarbeit die Galutharbeit erscheint, mit der Begründung, daß in Palästina zunächst nur für Tausende, im Galuth aber für Millionen von Juden geistig und materiell zu sorgen sei. Welches hat unsere Haltung in diesem Meinungskampf zu sein? Zunächst möchte ich den Grundsatz der Toleranz betonen, der uns hier leiten muß. Wir sollten uns durchaus abgewöhnen, aus unseren persönlichen Neigungen, die nach der einen oder anderen Seite der zionistischen Aufgabe gerichtet sind, moralische Werturteile über andere Zionisten von anderer Prägung abzuleiten. Es gibt Menschen von seiir verschiedener Art, und es gibt unter den Galuthzionisten, die sich mit Gemeindearbeit oder anderen Galuth arbeiten befassen, ausgezeichnete und sehr ernste Zionisten. Freilich besteht eine gewisse Gefahr, daß die ständige Beschäftigung mit Galuthfragen die ferner liegenden Palästinafragen zurückdrängt, und daß der Galuthzionist, der aus der Galutharbeit ein Programm macht, in einen Zustand der Beruhigung verfällt, der den

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