Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 34)
- Language
- German
- Belongs to
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bereits, daß dieses unaufrichtige, weil undurchführbare Prinzip der Awodah Azmith auch nicht länger aufrecht erhalten bleiben kann. Dabei soll wieder nicht verkannt werden, daß die Ueberspannung solcher Prinzipien in gewissen Zeiten notwendig und nützlich sein kann und daß der selbst arbeitende Ansiedler gegen den Typus des alten Rothschild'schen Kolonisten vielleicht wirklich nur durchgesetzt werden konnte, indem die Arbeiterschaft aus dem Begriff der Awodah Azmith einen Fetisch machte. Wir müssen jedoch heute den Weg einer realistischen Wirtschaftspolitik suchen und müssen vor allem auch nach Wirtschaftsformen streben, welche die Entstehung einer neuen Chaluzgeneration ermöglicht. Ein sich aufopferndes Pioniertum, das hartnäckig an undurchführbaren Ideologien festhält, um sich in einer kaum erträglichen Lage seelisch zu behaupten, verdient unsere volle Sympathie; aber als Politiker, die das jüdische Gemeinwesan auf sicheren Grundlagen errichten wollen, müssen wir andere Wege gehen. Gerade wir im Westen haben nun ein ganz besonderes Interesse daran, daß die Enttäuschung über das Scheitern dieser Experimente durch eine neue Tätigkeit auf neuen Grundlagen so rasch wie möglich überwunden wird. Im Westen haben wir heute keinen Nachwuchs chaluzischer Jugend, und so ist heute die zentrale Frage für uns „Wie ist eine neue Chaluziuth möglich"? Nach dem Scheitern des Blau^Weiß und der rein sozialistisch geführten Gruppen kann es hierauf nur folgende Antwort geben: Es muß wieder die Erkenntnis durchdringen, daß das nationale Prinzip, die Idee des nationalen Aufbaues allen anderen Ideen und Ideologien übergeordnet sein muß. Faschismus oder Sozialismus dürfen den Zionisten im heutigen Stadium nicht als Eigenwerte interessieren und der Kampf für oder gegen irgendwelche Zeitströmungen oder politische Prinzipien muß den jeweiligen konkreten Aufgaben des Palästina-Aufbaues völlig untergeordnet werden. Als Revisionist nenne ich das: Judenstaatsidee und nationale Arbitrage. Auch muß erkannt werden, daß der Zionismus wieder eine klare Zielsetzung braucht Ich kann verstehen, daß man unseren Begriff des Judenstaates in der verschiedensten Weise auslegt und einschränkt, aber ein großes und deutlich gesehenes Ziel einer großen jüdischen Gemeinschaft in Palästina muß uns vor Augen schweben, wenn wir weiter Zionisten bleiben wollen. Darum kann ich nicht verstehen, wie ein Anhänger des Brith Schalom in Europa Zionist sein kann. Es ist leicht zu verstehen, daß Leute von einer gewissen Denkweise in Palästina selbst zum Standpunkt des Brith Schalom kommen, indem sie ihre eigene jüdische Existenz dort mit einem Verzicht auf weitere Ziele geistig in Uebereinstimmung zu bringen suchen. Es ist aber unverständlich, wie die Meinung des Brith Schalom, welche mit einer jüdischen Majorität in Palästina garnicht mehr rechnet, in Europa oder in Amerika eine Chaluzbewegung erzeugen will. So konkretisiert sich unsere Aufgabe für den westlichen Zionismus und für das K. J. V. Aus einer Erkenntnis der tatsächlichen Zustände und Möglichkeiten müssen wir versuchen den neuen Typus des Chaluz zu schaffen; vor allem den landwirtschaftlichen Chaluz, der nach unserer Vorstellung zum Pflanzer und Gärtner in Palästina werden soll. Es ist 34