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Der jüdische Student · 1929-04-01 · Heft 3-4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 3-4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 32)
Language
German
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politischer Einseitigkeiten wieder heraufbeschwöre. Darauf gibt es nur eine Antwort: Die Führung muß von solcher Art sein, daß sie ihrer großen und schwierigen Aufgabe wirklich gewachsen ist. Um diese Aufgabe zu bewältigen, bedarf es einer gewissen Ueberlegenheit, einer wahren Kunst der Führung. Wenn der Kartelltag ein besseres Präsidium als das gegenwärtige zur Lösung dieser Aufgabe weiß, so soll er dieses bessere wählen. Das gewählte Präsidium aber muß diese Kunst der Führung so weit besitzen, daß es innerhalb des Kartells wieder eine communis opinio über die wesentlichen Ziele und Probleme des Zionismus schafft und aus dieser communis opinio, die heute dem ganzen deutschen Zionismus fehlt, wird die neue zionistische Tat hervorgehen. Versuchen wir jetzt einen Ueberblick über die wirkliche Lage zu gewinnen. Wir müssen den Mut haben, den zionistischen Stier bei den Hörnern zu packen. Wir dürfen den Grundfragen nicht länger ausweichen. Auf dem vorigen Kartelltag habe ich in meinem Referat zu zeigen versucht, daß die Grundlagen des Zionismus trotz mancher Verschiebungen der Lage und Argumentation im wesentlichen unverändert geblieben sind. Heute soll Ausgangspunkt der Betrachtung die geistige Krise sein, die bei einem großen Teil unserer Jugend herrscht und sich bei den Alten Herren häufig als völlige Resignation ausdrückt. Die depremierte Stimmung bei vielen Jungen und Alten beruht heute darauf, daß die Chaluzbewegungen aus Deutschland, die nach der Balfour-Deklaration entstanden, in ihren verschiedenen Formen gescheitert sind. Der Jahrgang 1900 fand nach dem Krieg einen fertigen Zionismus vor, der eine große Organisation in der ganzen Welt geschaffen hatte, und dem es soeben gelungen war, einen früher ungeahnten politischen Erfolg zu erzielen. Es war ganz natürlich, daß die Jugend diesen fertigen Zionismus einfach hinnahm und nun auf ihre Art an die Ausführung zu schreiten versuchte. Diese Bemühungen führten jedoch nicht zu bleibenden Resultaten. Der Blau-Weiß sowohl wie die sozialistische Jugendbewegung sind in Palästina praktisch gescheitert. Die Gründe sind verschiedenartiger Natur und brauchen in diesem Zusammenhang nicht alle aufgezählt zu werden. Einen großen Teil der Schuld trifft die irrtümliche Auffassung jugendlicher Führer von den Möglichkeiten und Notwendigkeiten in Palästina selbst Daß aber auch in Europa diese Bewegungen so rasch zugrunde gingen, lag an ihrer mangelhaften geistigen Fundierung hier, lag vor allem daran, daß unsere Jugend wie überhaupt der ganze deutsche Zionismus allzusehr geneigt ist, irgendwelchen Modeströmungen und Schlagworten zu unterliegen. Während sich im Blau-Weiß ein Nachkriegsfaschismus entwickelte, der viele abstieß, unterlag die sozialistische Jugendbewegung Schlagworten, die in Palästina selbst sich nicht bewähren konnten und dort zu Enttäuschung und Zusammenbruch führen mußten. Es ist an dieser Stelle notwendig zu sagen, daß wir uns mit der Arbeiterbewegung in Palästina auseinandersetzen müssen. Nicht weil wie für oder gegen den Sozialismus sind, sondern weil wir zur Klarheit darüber kommen müssen, wie Palästina aufzubauen ist, was wir dazu tun können. 32

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