Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 31)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 98% known words query
- IRI
…/3537599-3537802-3537805--7123-3545159- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
sammen sind, wie wir es früher nie gewesen sind. Ich glaube aber, daß dies nicht nur Geltung hat für diesen Kreis, sondern daß es ausgedehnt werden kann auf die uns noch Unbekannten. Der Bund der bekanntem und der unbekannten Bundesbrüder kann etwas bedeuten für unser ganzes Werk und mit Euch zusammen können wir vielleicht die Aufgabe erfüllen, die uns erwartet zum Wohle unserer Sache." Im Anschluß an die Begrüßung der Vertreter der ehemaligen B. Z. K. hält Bündesbruder Richard Lichtheim sein programmatisches Referat über „Die Lage im Zionismus und die Aufgaben des K. J. V.". „Es ist jetzt meine Aufgabe, in großen Linien das Programm zu zeichnen, welches das K. J. V. seiner künftigen Arbeit zugrunde legen muß. Dabei möchte ich an das Referat von Tuchler anknüpfen und möchte gleichfalls betonen, daß unsere bisherige Tätigkeit im Präsidium keineswegs als bloße technische Vorarbeit zu werten ist. Es wird immer die eigentliche Aufgabe eines jeden Präsidiums sein, für eine gute Verwaltung der laufenden Geschäfte, für Ordnung in den Finanzen, für Organisation der Keilarbeit und Systematisierung des Unterrichts zu sorgen. Wir haben uns nach diesen Richtungen bemüht, ohne bereits endgültige Resultate erzielt zu haben. Daneben haben wir den „Jüdischen Studenten'* wieder regelmäßig herausgebracht und hierdurch — vor allem auch durch die soeben erschienene Palästina-Nummer — den Bundesbrüdern ständig den Zusammenhang mit den Fragen des Kartells und Palästina vermittelt. Wir haben schließlich für die oft geforderte politische Erziehung der Bundesbrüder manches getan, insbesondere durch große Veranstaltungen der Altherrschaft in Berlin, auf denen aktuelle politische Fragen des Zionismus erörtert wurden. Auf diesem Wege werden wir weiter schreiten, und: zwar in dem Geiste, den wir für den allein richtigen halten, nämlich im Geiste eines besonnenen und nüchternen Arbeitswillens, der gegenüber allen geistigen Strömungen Verständnis und Toleranz zeigt, kritisch gegen jeweilige Zeitströmungen ist und sich von der Hysterie frei hält, die immer wieder Krisen schafft, auch wo keine vorhanden sind. Bei alledem ist unser Ziel — im großen gesehen — das K„ J. V. wieder zu dem zu machen, was seine Vorläufer B. J. C. und K. Z. V. einst waren, nämlich die Stoßtruppe des deutschen Zionismus. Dazu mußte das Kartell erst wieder hergestellt werden. Dazu mußten wir zunächst durch eine Periode emsiger Kleinarbeit gehen, um Ordnung zu schaffen und die Grundlagen der Kartelltätigkeit wieder zu legen. Nun aber ergibt sich die weitere Frage: Was in der Zukunft das wieder gefestigte und geeinte Kartell unternehmen soll und wie es seiner Aufgabe im Zionismus dienen soll. Voraussetzung hierfür ist eine klare Erkenntnis der tatsächlichen zionistischen Situation. Es ist die Aufgabe der Kartellführung, dem Kartell die nötigen Kenntnisse zu vermitteln, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu scheiden, den Gang der Ereignisse im großen zu verstehen und daraus die Aufgaben des Kartells und der einzelnen Bundesbrüder abzuleiten. Man wird einwenden, daß dies doch Politisierung sei und die Gefahr partei- 8*