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Der jüdische Student · 1929-04-01 · Heft 3-4 (April 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
Heft 3-4 (April 1929)
Date
1929-04-01
Page
[Seite] (sequence 16)
Language
German
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eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen hat. Eine dieser Aufgaben wird es sein, planmäßig jeden Einzelnen einzuordnen in eine Tätigkeit von zionistischem Belang. Ich sage absichtlich nicht, in eine zionistische Tätigkeit. Ich sprach im Herbst in einem nichtzionistischen Kreis in einer Stadt, in der neun Bundesbrüder wohnen. Einige von ihnen arbeiten führend in der Gemeinde, andere in der Ortsgruppe, wieder andere standen in der Jugendarbeit. Und so stelle ich mir das Ziel dieser Einordnung vor. Untätig soll keiner bleiben. Dabei halten wir auch die Arbeit im Kartell, das Kursegeben in den Verbindungen, die Leitung von Altherrenbünden und auch die Mitarbeit im Präsidium für eine Tätigkeit von zionistischem Belang. Es wird Aufgabe des erweiterten Kreises sein, nicht allgemein zur Arbeit aufzurufen, sondern zugleich Möglichkeiten einer dem Einzelnen gemäßen Tätigkeit aufzuzeigen. Ein weiterer Schritt soll in der bereits erwähnten Systematisierung unseres Unterrichtssystems bestehen. Vielleicht ist unsere Ansicht falsch, aber sie geht nun einmal dahin, daß die Finanzen des Kartells am besten von einem Finanzmann und sein Erziehungssystem am besten durch einen Erzieher verwaltet wird. Schließlich wird das kommende Jahr — nicht nur in Verbindung mit dem Züricher Kongreß — zionistische Grundfragen in einem undogmatischen, nicht auf die Werte dieses oder jenes Meisters eingeschworenen Sinne zu klären versuchen müssen. Wir haben die Tagesordnung diesmal so gestaltet, daß sich Lichtheims Referat nicht unmittelbar an diesen Bericht anschließt, damit Ihr Gelegenheit habt, den rückwärts gewandten Bericht erschöpfend zu diskutieren und zu kritisieren. Tadelt frei! Das Präsidium wird jede Kritik begrüßen, die geeignet ist, die Arbeit zu fördern. Für nicht sehr förderlich freilich würden wir es halten, wenn auch hier jener uns wohlbekannte Text wieder vorgetragen würde: Aeußere Erfolge unbestreitbar, aber sonst? Nun, vielleicht haben es doch manche verspürt, daß auch hinter unserer nüchternen Arbeit Prinzipien aufleuchten, menschliche und zionistische. Und wenn dieser Kartelltag durch die Neufassung unserer Satzung dem Kartell eine neue äußere Ordnung gibt, so ist es vielleicht auch nur etwas Aeußerliches; vielleicht aber auch ein Symbol. Ist es doch ein tiefer Ausdruck der Tragik des jüdischen Volkes, daß es gezwungen ist, überall nach heteronomen Satzungen zu leben, nach fremdgesetzten. Und letzten Endes geht die zionistische Sehnsucht dahin, für die Juden ein Leben zu schaffen, in dem sie unter autonomen, selbstgesetzten Satzungen leben können. Als Zeichen jüdischer Würdelosigkeit erschien uns die Ueberschätzung des von außen her Gebotenen wie der von außen kommenden Anerkennung. In einer Welt, in der uns der Strom des Lebens trotz unseres zionistischen Bekenntnisses immer mehr vom Eigenen fortspült, ist es vielleicht nötig, wieder Dämme und Wälile zu errichten. Maasserpflicht, Hebräisch-Lernen, jüdische Lebenshaltung, Verknüpfung mit Palästina: langsam wächst eine Reihe von Forderungen hervor mit dem Anspruch auf allgemeine Geltung. Sie wächst von innen heraus mit dem Ziel, autonome Satzung zu werden. Die ungeschriebene Norm dessen, was wir tun und lassen müssen, hat sich für uns K. J. V.er 16

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