Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 15)
- Language
- German
- Belongs to
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Stärke und den Möglichkeiten des Kartells ein solches Vertrauen gewonnen, daß es glaubte, an die Lösung einer seit langem schwebenden Frage, d i e Wiederaufnahme des B. Z. K. herangehen zu können und zu müssen. Ich will Euch verraten, daß die Anregungen dazu von außen gekommen sind, und zwar zugleich aus den Kreisen des Berliner Rosenkranzbundes, aus Frankfurt und Breslau. Wir konnten uns nicht der Erkenntnis verschließen, daß kein Grund mehr für die Trennung unserer beiden Verbände besteht. Im Gegenteil, wir fühlten uns als Zionisten dafür verantwortlich, daß auch die Angehörigen des B. Z. K. zugleich mit uns einbezogen würd en in die Reaktivierung der zionistischen Akademikerschaft Deutschlands. Die allseitige freudige, ja stürmische Zustimmung, die die Einigung der Präsidien im Kartell hervorrief, bestärkte uns in der Meinung, daß wir auf dem richtigen Wege seien. Ich will über diesen Punkt nicht viel sprechen. Mögen die Gegner der Fusion ihre Argumente vorbringen. Die Frage ist zur Entscheidung reif, jeder hat sich sein Urteil gebildet. Das Präsidium spricht an die Delegierten durch mich nur eine Bitte aus: macht keinen Fusionskartelltag aus unserer Tagung. Meinung und Gegenmeinung sollen noch einmal gehört werden, dann mag abgestimmt werden. Jenem kleinen Kreise aber, der als einziger in dieser Frage abseits steht, rufe ich zu: Hüten wir uns alle vor einem zionistischen Splitterrichtertum, das die Balken im eigenen Auge nicht sieht, wohl aber den Splitter im Auge des Nächsten. Keine Sonderrechte für die 200 zu uns zurückkehrenden Bundesbrüder vom B. Z. K. Aber auch keine Sonderpflichten für sie! Sie sollen K. J. V.er sein wie wir mit gleichen Rechten und gleichen Pflichten. Und wenn Ihr so abstimmt über die Aufnahme des B. Z. K., die dessen Bundestag gutgeheißen hat, so bedenket, daß draußen, vor den Türen dieses Saales, nicht nur die Abgesandten des B. Z. K. stehen, die auf Einlaß warten für sich und alle ihre Bundesbrüder, die wieder unsere Bundesbrüder werden wollen, sondern daß draußen ein großer Teil der zionistischen Öffentlichkeit Deutschlands auf die Beschlußfassung des Kartelltages in dieser Sache wartet. Wartet, weil sie von der endlichen Bereinigung dieser Frage eine Bereinigung der Atmosphäre in manchen Ortsgruppen erhofft und darüber hinaus die Reaktivierung eines Kreises, dessen Brachliegen nicht zum geringsten Teil durch eben seine Kleinheit verursacht war. Wir wissen wohl, wir haben nur erste Schritte getan, einen ersten Schritt und auf manchem Gebiet vielleicht auch einen zweiten. Aber wir haben sie wirklich getan. Wie sollen der dritte und vierte Schritt aussehen? Wenn Ihr die Liste wählt, die Euch das scheidende Präsidium pflichtgemäß vorschlägt, so wird der Kurs gehalten werden, dieser Kurs der sachlichen, ein wenig wortfeindlichen Arbeit. Unser Kreis ist zu klein. Und so soll die erste Aufgabe sein d i e Schaffung eines größeren Kreises interessierter und aktivfätiger Mitarbeiter. Wir glauben, daß viele zur Seite stehen, die kommen müssen und kommen werden, wenn wir sie rufen. Neben dem Präsidium, das auf eine geringe Zahl von Bundesbrüdern beschränkt bleiben soll, wollen wir einen weiteren Kreis schaffen, der 15