Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Fällen ist es uns gelungen, kostenlos Stellen für Stelkmgsuchende oder auch Vertretungen für vertretungsuchende Bundeshrüder, insbesondere Aerzte, zu vermitteln. In Zukunft sollte sich dieses Berufsressort zu einer Beobachtungsstelle auswachsen, die mit wachsamem Auge die Gefahren erkundet, die auf wirtschaftlichem Gebiet den deutschen Juden nicht so sehr durch eine antisemitische Einsteilung, als durch die, wie es scheint, unaufhaltsame Veränderung der Wirtschaftsstruktur droht. Das Beispiel Polens, dessen Staatsetatismus den jüdischen Mittelstand vernichtet, und das Beispiel Sowjetrußlands, dessen Wirtschaftshandhabung die Juden unvergleichlich stärker getroffen hat, als alle zaristischen Ukasse, sollten uns vorsichtiger machen. Auch über Deutschland hinaus haben wir die Fühlung mit der Akademikerschaft aufgenommen. So mit dem neugegründeten Jüdischen Studentenverband an der Universität Jerusalem. Bundesbruder H a 1 i t z k i hat ferner als unser Vertreter an der Tagung der Internationalen Studentenhilfe in Schloß Bierville bei Paris teilgenommen, auf der vor einem zu gleichen Teilen christlichen und jüdischen Forum die Frage des jüdischen Studenten an den Hochschulen Europas zur Debatte stand. Er ist auch in die aus vier Mitgliedern bestehende Kommission, von denen zwei Nichtjuden sind, gewählt worden. Das andere jüdische Mitglied ist ein Vertreter Englands. Zugleich waren wir in der Zentralratssitzung des Weltverbandes Jüdischer Studierender in Paris vertreten, in dem es dem K. J. V., wenn es wollte, möglich wäre, eine führende Rolle zu übernehmen. Keine Arbeit kann ohne Geld geleistet werden. Insbesondere die Herausgabe des J. St. erforderte große Mittel. Wir standen vor der Wahl, ob wir uns etwa darauf beschränken sollten, die erheblichen Schulden, die wir übernommen hatten, abzuzahlen und alle Arbeit, die Geld kostet, zu unterlassen, oder anders zu verfahren. Da war es insbesondere unser leider verstorbener Bbr. Jarislowsky, der uns in unserem Entschluß bestärkte, in erster Linie Leben in das Kartell zu bringen, den J. St. herauszugeben, und, wo es nötig war, Verbindungen für die Reisen zum Camp und dergleichen zu subventionieren. Wir haben gleichwohl die Schulden nicht nur nicht vergrößert, sondern zu einem Teil abdecken können. Das ist nur möglich gewesen durch die unermüdliche Arbeit Tumbowskys, der etwa 100 faule K. J. V.-Beitragszahl er durch persönliche Korrespondenz aktivierte. Immerhin gibt es noch jetzt eine unverhältnismäßig große Anzahl von Bundesbrüdern, die unbedenklich unsere Zeitschrift und alle sonstigen Zuschriften entgegennehmen, sich auch ungeniert mit Bitten und Ersuchen an uns wenden, zugleich aber keinerlei Beiträge zahlen und alle Nachnahmen zurückgehen lassen. Es wird sich nicht vermeiden lassen, diese Bundesbrüder, die es für anständig halten, die Leistungen, die sie vom K. J. V. empfangen, sich auf Kosten der Beiträge unserer jungen und jüngsten Bundesbrüder gewähren zu lassen, im einzelnen in ähnlicher Weise anzufassen, wie die säumigen Maasserzahler. Liebe Bundesbrüder, ein Bericht ist nüchtern und muß nüchtern sein. Vielleicht habt Ihr auch aus dieser nüchternen Aneinanderreihung von Tatsachen ein Bild gewonnen, das Euch die Festigung des Kartells zeigt. Jedenfalls hat sich das Präsidium stark genug gefühlt, und hat vor allem zu der 14