Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- Heft 3-4 (April 1929)
- Date
- 1929-04-01
- Page
- [Seite] (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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auch heute noch stark genug ist, um das einigende Band fü% die verschiedenen Parteirichtungen, seien es soziale, religiöse oder welche 4mmer, zu bilden. Ich glaube, daß dieser Kartelltag Bbr. LiciKi,- . heim eine Erklärung schuldig ist. Die Erklärung nämlich, daß gerade er, der ein ausgesprochener zionistischer Parteimann ist, das Kartell in einem überparteilichen, rein zionistischen Sinne geführt hat. Ich begründe diese meine Ansicht damit, daß der VIII. Kartelltag vor der Wahl Licht heims eine, wie mir schon damals schien, überflüssige Loyalitätserklärung von ihm gefordert hat. (Lang anhaltender, lebhafter Beifall!) Zionistische Pflichten! Wieviel ist davon geredet worden, und wieviel insbesondere von Keren Hajessod- und Maasserpflicht. Dies Präsidium hat zum ersten Mal begonnen, Ernst zu machen mit der Durchführung; Ernst zu machen durch Anwendung eben jener Mittel, die uns zur Verfügung stehen, Ehrenrat und Ausschlußdrohung. Und da zeigte sich eine in Wirklichkeit erfreuende und ich möchte sagen überraschende Erscheinung. Nicht viele K. J. V.er werden leichten Herzens diese Gemeinschaft verlassen, weil sie wegen Nichterfüllung der Maasserpflicht ausgeschlossen wurden! Vor einer Woche nahm ich als Vertreter des Präsidiums an vier K. H.-Ehrenräten teil. In zwei Fällen nahm die K. H.¬ Kommission den Antrag auf Durchführung des Ehrenrates zurück, nachdem die betreffenden Bundesbrüder entsprechende Aufklärung gegeben hatten. In zwei weiteren Fällen, die beide beruflich angesehene Alte Herren höchster Semesterzahl betrafen, wurde der Ehrenrat vertagt, nachdem die Betreffenden grundsätzlich ihre Bereitwilligkeit zur Maasserzahlung erklärt hatten, so daß nunmehr eine Einigung über die Höhe herbeizuführen sein wird. Und das waren schon die schlimmeren Fälle. In einer Reihe von anderen ist es dem Präsidium im Zusammenwirken mit unserer K. H.-Kommission gelungen, die Bundesbrüder ohne Ehrenrat zur Zeichnung und Zahlung zu veranlassen. Natürlich ist all das ebenfalls nur ein Anfang. Ich möchte aber an dieser Stelle auch die Kehrseite der Medaille zeigen. So, wie wir entschlossen sind, der Maasserforderung innerhalb des Kartells Geltung zu verschaffen, so sind wir entschlossen, dies in einem sauberen, diskreten, unserer als Zionisten und Akademiker allein würdigen Verfahren zu tun. Wir wenden uns aufs schärfste gegen die Preisgabe von Namen, die vorzeitig und durch Indiskretion erfolgt und dazu angetan ist, Bundesbrüder zu ächten und herabzusetzen. Nicht in einem, sondern in mehreren Fällen haben wir es erlebt, daß verdiente und angesehene Bundesbrüder in dieser Weise ihren Namen von Mund zu Mund haben tuscheln hören, ohne daß ein Verfahren ihnen die erforderliche Aufklärung verschafft hatte. Ich! habe dies, auch zionistisch-politisch gefährliche Verhalten an anderer Stelle als Lynchjustiz durch Gerücht gekennzeichnet, und es erscheint mir geboten, mit aller Schärfe zu betonen, daß wir die Durchführung der Maasserforderung wollen, aber legal. Wie der K. H.- haben wir auch der K. K. L.-Arbeit unser Interesse bekundet. Auf unsere Veranlassung sind eine Reihe von Bundesbrüdern in 12