Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 39)
- Language
- German
- Belongs to
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richtet zu werden wünscht. Dies geschieht in Form von Auszügen aus den betreffenden Zeitungsartikeln in englischer Sprache, die je nach der Wichtigkeit des Gegenstandes kürzer oder länger gefaßt werden. Bei ganz besonders wichtigen Anlässen werden auch wörtliche Uebersetzungen gewisser Artikel angefertigt. Diese Presseauszüge werden zweimal wöchentlich dem Abteilungsleiter zugestellt, der sie dann je nach dem Inhalt an die in Betracht kommenden Beamten oder Departements weiterleitet. Alle Auszüge aus Artikeln mehr prinzipiellen Inhaltes sowie Beschwerden über besonders grobe Mißstände in der Verwaltung werden vor den Chefsekretär und durch ihn auch vor den Oberkommissar gebracht. Zusammenfassend läßt sich wohl sagen, daß die Presseabteilung sich als nützlich erwiesen hat. Die Presse hat die Sicherheit, daß ihre Forderungen oder auch ihre Kritik auch an die Stellen gelangen, an die sie gerichtet sind, während dies früher von Zufällen oder von dem guten Willen einzelner Beamter abgehangen hat. Die Zeitungen wenden sich heute viel oirekter an die Regierung als vordem, teilweise wird die Bitte um möglichst wortgetreue Uebersetzung durch die Abteilung sogar unmittelbar ausgesprochen. Welchen Einfluß andererseits der verstärkte Kontakt mit der öffentlichen Meinung des Landes auf die Beschlüsse der Regierung gehabt hat, ist allerdings schwerer abzuschätzen. Es gibt zweifellos Kreise, die die Kritik der Presse als störend empfinden, sich aber nicht dadurch stören lassen. Andere sind wiederum geneigter, Belehrungen entgegenzunehmen. Dafür zum Schluß ein hübsches Beispiel: Die Klagemaueraffäre hat bekanntlich einen Sturm im palästinensischen Blätterwalde entfacht, ungefähr 150 Artikel sind von mir teils ausgezogen, teils wörtlich übersetzt worden. Zu den am heftigsten angegriffenen Persönlichkeiten gehörte natürlich der Gouverneur von Jerusalem. Besonders der „Doar Hayom" konnte sich wochenlang gar nicht beruhigen, jeden Tag hatte er ein neues Geschoß für Herrn Keith-Roach im Köcher. Dies alles hinderte aber den Gouverneur nicht daran, bei der ersten Gelegenheit, die sich bot, auf den Redakteur des „Doar Ha vom" zuzugehen und ihm die Hand zu schütteln mit dem Rufe: „Long live the liberty of the Press!" Schon wieder über Erziehung. Von Hermann Struck, Haifa (V. J. St. Jordania, München, A. H. h. c). Wir spazierten am Schabbath Nachmittag in Hadar Hakarmel umher — die beiden andern waren ein rühmlichst bekannter Pädagoge und ei» Professor der Philosophie — und sprachen natürlich von dem dauernd brennenden Problem der nationalen Erziehung in unserem Lande. Der Professor beklagte, daß die Absolventen unserer Schulen zum Beispiel keine oder wenige Ahnung von Ma^onides' Werken hätten — man solle sie mit „Jad hachasaka" bekannt machen. Wir stimmten eifrig zu, und der Pädagoge meinte, das sei ausmehreren Gründen wichtig: „Erstens wegen der Sprache — — Ich ließ ihn nicht aussprechen, sondern fuhr ihm voll heiliger Wut an die Gurgel und sagte: „Das war 40