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Der jüdische Student · 1929-03-01 · (März 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
(März 1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 38)
Language
German
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ständen kommen noch innere: die tiefe Kluft, die zwischen den englischen Beamten, die durchweg die höheren Posten besetzt halten, und den Palästinensern gähnt, von denen der Großteil natürlich der unteren und mittleren Beamtenklasse angehört. Für jemanden, der als freier Bürger in Deutschland mit der Aussicht gelebt hat, einmal als Minister erschossen werden zu können, ist es natürlich schwer, sich im jüdischen Nationalheim als „native" von ehemaligen englischen Sergeanten überflügelt zu sehen. Mit diesen psychologischen Schwierigkeiten muß. jeder, der bei der Regierung Dienst nimmt, rechnen, sonst wird er Enttäuschungen erleiden. Es ist selbstverständlich, daß jeder, der Beamter werden will, zuvor die palästinensische Staatsbürgerschaft erworben haben muß; die Kenntnis von mindestens zwei Landessprachen (darunter immer englisch) ist ebenfalls Voraussetzung. Eine besondere Abneigung gegen ehemalige Deutsche habe ich mit Ausnahme eines Falles nicht feststellen können. Nach diesen allgemeinen Bemerkungen kurz einige Angaben über meine persönliche Tätigkeit in der Regierung. Ich arbeite seit einem Jahre, d. h. seit ihrer Gründung, in der Presseabteilung, die dem Chefsekretär direkt untersteht. Bis 1927 wurden die Zeitungen nur durch die Kriminalpolizei unter formalen Gesichtspunkten bearbeitet. Die steigende Kritik der Regierung seitens der jüdischen Presse und die von den Arabern erhobene Forderung nach Einführung des parlamentarischen Systems machten es für die Regierung wünschenswert, schneller und ausführlicher als bisher über die Stellungnahme der Presse, die ja beim Fehlen einer Volksvertretung das einzige Ausdrucksorgan der öffentlichen Meinung ist, unterrichtet zu werden. Zu diesem Zwecke wurde dem schon bestehenden Zentralen Uebersetzungsbureau eine Presseabteilung angegliedert, die dem Sohne von Sir Herbert Samuel, der hier seit Jahren in der Regierung arbeitet, ressortmäßig untersteht. Wie das Uebersetzungsbureau, zerfällt auch die Presseabteilung in eine arabische und eine hebräische Sektion. Sämtliche in Palästina erscheinende Zeitungen und Zeitschriften — es gibt deren etwa 60 — haben ein Pflichtexemplar an die Presseabteilung abzuführen, außerdem ist die Regierung auch auf wichtige ausländische Publikationen abonniert, auf die großen arabischen Zeitungen in Aegypten und Syrien, ebenso wie auf die wichtigsten zionistischen Blätter („Jüdische Rundschau", „New Palestine", „Haint" usw.). Während die arabische Presse Palästinas niveaumäßig und quantitativ weit unter dem hochentwickelten Zeitungswesen der Nachbarländer steht — es gibt in Palästina nicht eine arabische Tages zeitung —, ist das hebräische Zeitungswesen schon allein durch das Vorhandensein von drei Tagesblättern verschiedener politischer Richtung und einer Unzahl von Wochen- und Monatsschriften, die alle Gebiete unseres Lebens umfassen, ungeheuer reichhaltig und vielseitig. Die die Regierung interessierenden Gesichtspunkte sind in Vorschriften festgelegt, doch ist den Pressesekretären im einzelnen die Entscheidung darüber belassen, was sie zur Kenntnis der Behörde zu bringen für angebracht halten. Kritik der Regierung als solcher, einzelner Departements oder deren Beamten, die jüdisch-arabischen Beziehungen, die Frage der Volksvertretung, das Verhältnis der xWandatarmacht zum Nationalheim, das sind einige der wichtigsten Themen, die fortlaufend in der Presse behandelt werden und über die die Regierung unter- 39

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