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Der jüdische Student · 1929-03-01 · (März 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
(März 1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 37)
Language
German
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Meine Aufgabe ist jetzt, aus dieser Getreidebauwirtschaft eine gemischte Wirtschaft zu machen und zwar durch Einführung des Weinbaus und vor allem des Orangenbaus, der Zukunft von Palästina. Der Weinbau ist nur rentabel, wenn er großzügig angelegt wird, was einige hundert Pfund erfordert. Dagegen ist die Anlage eines Orangengartens eine rein geschäftsmäßige Anlage, die zwar viel Geld kostet, aber außerordentlich einträglich ist. Was uns hier fehlt, ist eine Agrarbank, die langfristige Kredite auf geringe Zinsen gibt. Ich stehe Bundesbrüdern gern mit landwirtschaftlichen Auskünften zur Verfügung, soweit es meine Kenntnisse erlauben. Regierungsdienst. Von Fritz Simon, Jerusalem (Ruder-V. J. St., A. fi). Regierungsbeamte werden in Palästina im allgemeinen als besonders vom Glück begünstigte Sterbliche betrachtet, da sie sich zweier Dinge erfreuen, die der zionistische Funktionär oder der Lehrer des öfteren entbehren muß: wenig Arbeit und pünktliche Bezahlung! Daß sich die Leute der Verwaltung im Dienste nicht gerade totarbeiten, ist ja auch in Europa der Fall, 40 Arbeitsstunden in der Woche (verteilt auf vier Tage zu je sechs, und zwei Tage zu je acht Stunden) lassen sich auch in der palästinensischen Hitze, die die Arbeitskraft natürlich etwas herabmindert, ertragen und Jassen genug Zeit übrig, um, wenn man Engländer ist — was ich jedem Bundesbruder nur raten kann — Tennis oder Golf zu spielen, oder wenn man Jude ist, um den Nebenbeschäftigungen nachzugehen, die man zur Abdeckung der Schulden braucht; denn welcher anständige Palästinenser hätte keine Schulden? Liegt das Zeitproblem also günstig beim Regierungsbeamten, so bietet auch die leidige Geldfrage insofern Vorteile, als man im allgemeinen zwar wenig Gehalt bekommt (das monatliche Durchschnittsgehalt der jüdischen Beamten beträgt £ 15 im Gegensatz zu £ 65 für Engländer), dies Wenige aber pünktlich zu ultimo ausgezahlt wird. Die Zionistische Exekutive ist ja aus Gründen, die allgemein bekannt sind, leider des öfteren gezwungen gewesen, das alte türkische System, die Beamten unpünktlich zu bezahlen, beizubehalten, ohne allerdings für die in Wegfall gekommenen „Bakschischs" ein Aequivalent zu schaffen. Heute ist das wesentlich besser geworden, aber noch immer gilt das Wort eines witzigen jüdischen Beamten: „Zionismus is' Lockschen und Regierung is' Farfel", d. h. Lockschen (Nudeln) kann man zwar sehr viel auf die Gabel bekommen, läuft aber Gefahr, daß alles wieder herunterfällt, während Farfeln (Teigstückchen) in jeder beliebigen Quantität auf dem Löffel bleiben. So rosig sich allerdings das Dasein des Regierungsbeamten auf den ersten Blick darstellt, so hat es natürlich auch seine Schattenseiten. Die Besoldungsverhältnisse sind, wie gesagt, nicht allzu glänzend: die jährlichen Aufbesserungen sind klein (zwischen £ 6 und £ 12, je nach dem Rang), Frauen- und Kinderzulagen gibt es nicht, das Avancement ist sehr langsam, ein Pensionierungssystem ist noch nicht durchgeführt. Zu diesen äußeren Miß-

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