Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 36)
- Language
- German
- Belongs to
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Mcime Absiedlung. Voa Kurt Zysmann, Giwath Adda bei Benjaminah (V. J. St. Hasrnonäa, Breslau, A. H.) Vor etwa neun Jahren kam ich nach Palästina, mit dem Ziel, Kolonist auf eigener Scholle zu werden. Das ist in Erfüllung gegangen, nachdem ich im Laufe der ersten fünf Jahre als Arbeiter unter den verschiedensten Urnständen gearbeitet habe. Ich fing als Arbeiter auf dem Kwisch (Chaussee) an und führte dann zwei Jahre bei einer Kolonistenwitwe die Wirtschaft. Dann war ich drei Jahre in verschiedenen Kwuzoth der PI CA., und so gelangte ich schließlich zur Ansiedlung. Auf der Grundlage meiner in Deutschland und Italien gewonnenen landwirtschaftlichen Ausbildung war es mir möglich, mich im Laufe dieser neun Jahre in Palästina in allen Zweigen der Landwirtschaft gründlich zu vervollkommnen. Das Ergebnis der eigenen Wirtschaftsführung hat mich bisher enttäuscht, da hier die ökonomische Lage eine ganz andere ist als in Deutschland. Die PI CA. unterscheidet drei Arten von Kolonisten: 1. Leute mit Geld, die von der PICA. nur den Boden in Erbpacht bekommen, 2. Leute, die von der PICA. Boden, Haus und Hof erhalten, dagegen lebendes und totes Inventar selbst beschaffen müssen, 3. neuerdings gibt es von der PICA. „vollständig" angesiedelte Leute, die also außer Boden, Haus und Hof auch ein Budget von etwa 3—40 Pfund für Anschaffung des lebenden und toten Inventars erhalten. Da ich einige Zeit bei der PICA. gearbeitet hatte, wurde auch ich auf dieser letzteren Grundlage angesiedelt. Ich erhielt 150 Dunam Ackerboden (etwa 50 deutsche Morgen), Haus mit zwei Zimmern, Stall und Geld zur Anschaffung von Pferden, einer Kuh, Hühnern, Incubator und der notwendigsten Maschinen und Geräte; außerdem eine kleine Summe zum Leben bis zur ersten Ernte. Was die Kolonie Giwath Adda anbetrifft, so ist ihr Boden durch die langjährige primitive Bearbeitung seitens der Araber ohne alle diejenigen chemischen Substanzen, die zum Gedeihen irgendeiner Getreideart erforderlich sind. Aber auch wenn man einmal unterstellt, daß der Boden wieder seinen früheren Wert erhält, so ist es trotzdem nicht möglich, von seinen Erträgnissen sogar bei guter Ernte eine Familie von drei Köpfen zu ernähren. Genaue Berechnung ergibt, daß die Wirtschaft bei normaler Ernte eine jährliches Defizit von 40 Pfund bringt. Die Nebeneinnahmen aus Garten, Milchwirtschaft und Geflügelzucht reichen ebenfalls nicht aus, da der Garten nur im Winter bebaut werden kann, wegen Wassermangeis in? Sommer. Die Transportschwierigkeiten lassen es unlohnend rscheinen, Gemüse oder Milch in die Stadt zu schicken. Als z. B. der Milchpreis in Tel-Awiw 12 Piaster pro Rottel war, erhielten wir, die Produzenten, 2V* bis 3 Piaster. Hühnerzucht könnte rentabel sein, wenn man die lichtigen aus Beton gebauten und mit Ausläufen versehenen Hühnerställe benutzen würde, was aber am Geldpunkt scheitert. Um das Defizit von 40 Pfund zu decken, ist man gezwungen, Außenarbeit zu machen, das heißt im Tagelohn mit dem Gespann zu arbeiten. 37