Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 32)
- Language
- German
- Belongs to
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Bundesbrüder geleitet werden. Das Ideal des Alten Herren müßte sein: Ein aufrechter, fachlich tüchtiger Mann, der in dem Kreis, in den ihn das Leben stellt, ein Zentrum jüdischer Aktivität ist Selbstverständlich ist die Erfüllung zionistischer Minimalpflichten (Keren Hajessod) und darüber hinaus die Anlage eines wesentlichen Teils der Ersparnisse in landwirtschaftlichen und industriellen Unternehmungen Erez-Israels. Ich brauche wohl nicht zu betonen, daß ich nur Anlagen in normal kapitalistischem Sinn meine. Richtlinie für die Erziehung der Kinder müßte sein: Wahl eines Berufes, der für die nächste Generation das Leben in Erez-Israel ermöglicht. Für diejenigen unseres Geschlechts, denen das Geschick ein materiell imabhängiges Alter ermöglicht, muß Erez-Israel das Ziel ihres Lebensabends sein. Für manchen Einzelnen wird hoffentlich noch in unserem Geschlecht ein Wirkungskreis in Erez-Israel sich eröffnen, und unsere Aufgabe hier im Lande wird es sein, jede Möglichkeit zu erspähen, einen aus unserem Kreise wieder herüberzubringen. Zwei idealistische Sonnen leuchten unserem Geschlecht, die sozialistischkommunistische und die nationalistisch-faszistische. Wohl jeder von uns hat einmal am Scheidewege gestanden. Für viele war Erez-Israel das Land, wo die Strahlen dieser beiden Sonnen sich vereinigen sollten. Der Traum dieser Verwirklichung ist vorbei, es gibt hier meines Erachtens kein Nebeneinander, nur ein Nacheinander. Erez-Israel unterliegt den Wirtschaftsgesetzen, und für unser Geschlecht, das Geschlecht der Eroberung des Landes, kann nur das nationalistische Ziel den Primat haben. Ihr hört also aus meinen Worten mit Recht heraus, daß ich mich den revisionistischen Gedankengängen Jabotinskys angeschlossen habe. Jüdische Mehrheit im Lande, das ist das unverrückbare Ziel, dem wir zustreben müssen, alles was die Erreichung dieses Zieles fördert, ist zu begrüßen, was die Erreichung dieses Zieles hindert, mit den schärfsten Mitteln zu bekämpfen. Jeder Klassenkampf schwächt unsere Kraft und muß in unserem Geschlecht zurückstehen. Unsere Forderung an die Mandatarmacht muß laut und deutlich sein: Kolonisatorisches Regime. Nur so können wir den Boden Palästinas in unsere Hand bekommen, und ohne den Besitz des Bodens ist Erez-Israel nicht Erez- Israel, sondern ein Golusland, das Palästina heißt. Laßt Euch nicht durch Zeitungsreporter irre machen, die von panarabischer Gefahr (!!!) sprechen und im Nebensatz dann gleich Indien mit drei Ausrufungszeichen bringen. Jeder Leser kommt sich dann auch gleich als großer Politiker vor, der eine weitschauende Politik treibt. Wer den palästinensischen Araber kennt, weiß, daß er auf einer so niedrigen Stufe steht, daß zumindestens in unserem Geschlecht eine Gefahr von seiner Seite nicht droht. Hätte das jüdische Volk nach der Balfour-Deklaration die genügenden Geldmittel zur Verfügung gestellt, Palästina wäre längst Erez-Israel, an Menschen hätte es uns nicht gemangelt. Heute ist die Situation gewiß schwieriger, aber wenn das jüdische Volk das Geld gibt, und der englische Mandatar sein Mandat erfüllen will, der Araber wird uns gewiß nicht hindern. Die Jugend, der wir die Eroberung des Bodens anvertrauen, muß ein Ideal haben, sonst kann sie die schwere Last des Aufbaues nicht auf sich nehmen, und dieses Ideal muß das national-faszistische sein mit Hintansetzung des Klassenkampfes. Wir brauchen nicht zu befürchten, daß zio- 33