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Der jüdische Student · 1929-03-01 · (März 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
(März 1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 31)
Language
German
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Unser gesellschaftliches Leben spielt sich im üblichen bürgerliche* Rahmen ab und dürfte hier in Jerusalem von dem Euren in Berlin W. nur unwesentlich verschieden sein. Unsere Abendgesellschaften sind genau so langweilig wie bei Euch. Das Essen ist leider schlechter und trinken tun diese Juden überhaupt nicht; deshalb haben sie gar kein Verständnis für eine anständige Flasche Wein. Nebenbei bemerkt sind unsere palästinensischen Weine gar nicht schlecht, es fehlt nur noch eine Weinkultur im Lande, welche höher gezüchtete Edelweine hervorbringt. Von Theater» haben wir zurzeit die Habimah im Lande und die Arbeitertruppe Ohel. Ich fühle mich nicht Fachmann genug, um darüber zu urteilen. Musik gibt es manchmal in ganz guter Form, als Kammermusikabende; die sogenannte« Orchester sind allerdings für uns noch nicht genießbar. Auch das Kino ist, wenigstens in Jerusalem, noch auf sehr mäßiger Höhe. Vorträge vo» allgemeinem Interesse sind sehr selten und, da der deutsche Kreis das Hebräische noch immer sehr schlecht beherrscht, für die meisten von uns schwierig. Politisch ist für meine Begriffe nur Jabotinsky anhörbar, der allerdings ein Redner ganz großen Formats ist. Während ich bei den meiste» Reden unserer sogenannten großen Führer schon nach kurzer Zeit fluchtartig mich zurückziehe, habe ich seinen Reden oft schon zwei und drei Stunden mit vollem Interesse zugehört. Ein Zusammenhang zwischen den K. J. V.ern im Lande besteht nicht. Alle Versuche zu einer auch noch so losen Vereinigung sind bisher gescheitert. Den Grund dafür sehe ich in der falschen Erziehung der K. J. V.er ia unseren Verbindungen. Wie vor zwanzig Jahren stehe ich noch auf dem Standpunkt, daß bei dem nun einmal gegebenen jüdischen Volkscharakter die Erziehung in unseren Verbindungen eine streng und übertrieben korporative sein soll. Erziehung zur Männlichkeit ist und bleibt unser Hauptziel, und dazu ist eine straffe Disziplin, eine bedingungslose Unterwerfung unter die traditionellen selbstgewählten Führer unbedingte Notwendigkeit Erstchargierter, Fuchsmajor und Leibbursch müssen für den jungen Bundesbruder unantastbare Persönlichkeiten sein. Alle zerfahrene jüdische Geistigkeit ist zu bekämpfen, dagegen ist eine möglichst tiefgreifende Kenntnis jüdischen Kulturguts in den ersten Jahren der Aktivität zu übermitteln. Ein grober Fehler unserer Generation wird wohl heute schon allgemein vermieden, nämlich die mangelnde Ernsthaftigkeit, mit der wir unsere Fachstudien betrieben. Die Zeit, da man Berufsumschichtung im Kartell predigte, scheint endgültig überwunden. Meine Altersgenossen wissen, daß ich immer aufs schärfste dagegen angekämpft habe, denn ich hatte nicht den Leichtsinn und die Verantwortungslosigkeit unserer damaligen „großen Führer", welche Dutzende von unseren jungen Menschen mit ihrer Phraseologie ins Unglück getrieben haben. Zum mindesten wäre es jetzt eine Ehrenpflicht, den wenigen deutschen Chaluzim, die sich im Lande gehalten haben, endlich zur Ansiedlung zu verhelfen. Ihr kennt das Projekt, das sich diesem Ziel widmet, und ich hoffe, daß die Alten Herren des K. J. V. sich moralisch und materiell dafür einsetzen werden. Die Hoffnung, daß Erez-Israel für unser Geschlecht Heimatland werden könnte, ist endgültig vorüber. Wir müssen das Galuth bejahen und dementsprechend muß die Erziehung unserer 32

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