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Der jüdische Student · 1929-03-01 · (März 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
(März 1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 29)
Language
German
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Querschnitt. Von AlbertWunderlich, Jerusalem (V. J. St. Hasmonäa, Berlin, A. H.). Bei einem Einkommen von etwa £ 20 beginnt, wie in Europa, so auch in Erez-Israel, der Kleinbürger und erstreckt sich bis zu einem Einkommen von etwa £ 40. Zwischen £ 40 und 70 ist etwa das Gebiet des Mittelbürgers und jenseits der \£ 70 beginnt der Großbürger. Bei Leuten, die eine geschickte Frau haben, erstreckt sich das Kleinbürgertum noch etwas tiefer herab, jedoch unter £ 15 ward die Lebenshaltung gezwungenermaßen eine proletarische und mit der Lebenshaltung ändert sich bekanntlich bei allen Menschen, die nicht eine große philosophische Höhe erreicht haben, die Lebensanschauung und damit die Einstellung zu den Fragen dieses Lebens. Mein Leben in Erez- Israel spielt sich ab in der Schicht der Klein- und Mittelbürger, und auf Grund meiner Stellung habe ich natürlich auch Beziehung zu den wenigen Großbürgern, die es überhaupt in unserem kleinen Ländchen gibt. Alles was ich Euch im folgenden schildere, ist durch diesen Rahmen begrenzt. Für viele Dinge muß ich auch noch eine weitere Begrenzung angeben, um meine Stellungnahme verständlicher zu machen. Während ich in Haifa fast drei Jahre lang frei niedergelassener Arzt war, nur mit einer losen Bindung zur Kupath Cholim, bin ich seil über einem Jahr fest angestellter Arzt der Hadassah und damit mittelbar zionistischer Beamter. Solange man frei und selbständig ist, hat man die Wahl der Menschen, mit denen man umgeht, sobald man sich dieser Freiheit begibt, ist man gezwungen, in dem Milieu, in das man hineinversetzt ist, seine Beziehungen zu gestalten. Und hier komme ich gleich zu einer der brennendsten Fragen des palästinensischen Lebens, dem Zusammenleben zwischen Ost- und Westjudentum. Um es gleich vorweg zu nehmen: in unserem Geschlecht erscheint mir diese Frage unlösbar und im kommenden Geschlecht wird diese Frage überhaupt nicht mehr existieren, da die Kinder durch gemeinsame Sprache, gemeinsame Schule und gemeinsames Schicksal diese Frage, welche ihre Eltern noch so sehr bedrückt hat, gar nicht mehr kennen werden. Mit Ausnahme ganz weniger russischer Juden, welche der assimilierten russischen Oberschicht angehören und damit in vielem unserer assimilierten deutsch-jüdischen Oberschicht in weitem Maße angeähnelt sind, schleppt der kleinbürgerliche Ostjude alle Ketten des russischen Ghettos mit sich und im täglichen Zusammensein stoßen wir immer wieder auf die Folgen dieses einstigen Lebens. Um kein Mißverständnis aufkommen zu lassen: ich behaupte nicht etwa, daß wir westlich assimilierten Juden besser sind, ich behaupte nur, daß wir anders sind und daß dieses Anderssein in unserem Leben eine unüberwindliche Schranke aufrichtet. Wir bringen aus unserer westlichen Assimilation feste Begriffe mit, Ehrbegriffe, Berufseinstellung, Lebensformen, und gerade in diesen wesentlichsten Dingen unterscheidet sich der Ostjude gänzlich von uns. Ich will hier in keine theoretische Abhandlung über diese Dinge eintreten, sondern will nur versuchen, an ein paar Beispielen die geschilderte Sachlage zu erläutern. Etwa: ein ostjüdischer Kollege schlägt mir einen neuen Krankenwärter vor, so wird er nicht etwa sagen: der Mann ist ein guter Krankenwärter, dort und dort hat er gelernt und hat von dem und dem gute Zeugnisse, sondern die Empfehlung beginnt etwa so: der Mann hat soundso viele 30

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