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Der jüdische Student · 1929-03-01 · (März 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
(März 1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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nehmen. Und das ist, es sei hier nochmals offen gesagt, schwer, viel schwerer, als in Deutschland zionistische Propaganda zu treiben. Denn die Mehrzahl von uns lebt in Deutschland in gleichem Kulturkreise und hat sehr vage Vorstellungen vom jüdischen Volke. Hier ist ein anderes Medium, diese hundertfünfzigtausend Juden in Palästina sind das jüdische Volk in allen seinen Mosaikteilchen, das sich sammelt, das sich oft noch so gar nicht recht zusammenfügen lassen will und doch wohl langsam eine Einheit bekommen wird. Ich habe gerade als K. J. V.er gelernt, gegen Assimilation zu kämpfea und weiß andererseits, daß viele von uns trotzdem vom Kulturellen und Seelischen her tief assimiliert sind. Hier die Grenze zu finden, alle seine Wurzeln zu kennen, zu verstehen und zu verwerten, ein Nationaljude zu sein, ohne sein Europäertum aufzugeben, scheint mir ein wichtiges zionistisches Allgemein-Problem, das wohl eines Tages wie vieles in der menschlichen Entwicklungsgeschichte mit einem Kompromiß gelöst werden wird. (Denn mit der Seele Asiens hat/s noch gute Weile.) Ich bin also auch für uns hier gegen jede Assimilation, die die gewordene Persönlichkeit krampfhaft umbiegen will und einer langsamen Entwicklung hinderlich ist. Ich bin ein in Palästina lebender deutscher Zionist geblieben (wenn ich mir nichts vormachen will) und werde vielleicht am Ende meines Lebens ein Bürger von Erez-Israel sein. Jedenfalls glaube ich mich auf dem langsamen Wege dorthin zu befinden und erhoffe es für mich oder meine Kinder. Aber dieser Weg ist notwendig mit vielen Schwierigkeiten und Enttäuschungen verbunden, man braucht viel Geduld und Takt und nüchternes Wissen, um ia der Richtung zu bleiben. So — und nur so — scheint mir, werden wir vorwärtskommen. Unsere Freunde in Deutschland aber sollen das verstehen lernen, obwohl es nicht leicht ist, wie wir oft gesehen haben. Sie solle* in unsnveder romantische Helden sehen, die dauernd Opfer Dringen, noch faule Defaitisten, die die Propaganda stören. Nur die Jugend mag uns vielleicht mit Recht vorwerfen, daß wir zu bürgerlich und unidealistisch geworden sind. Wir sind aber — und darauf kommt es an — Zionisten geblieben, die gerade den Idealen ihrer Jugend auch in reiferem Alter nachzuleben versuchen wollen und die sich freuen werden, wenn nachfolgende Generationen andere und schneller zum Ziele führende Wege finden. Es mag Spezialartikeln vorbehalten bleiben, den in diesem Briefe angeregten Fragen im einzelnen nachzugehen, mir kam es nur darauf an, einmal meine seelische Grundhaltung offen zu schildern, und wenn unsere Bundesbrüder als Touristen oder für dauernd herkommen, so sollen sie auch etwas mehr Bescheid über unsere seelische Situation wissen. Dana werden wir uns beim Zusammentreffen mit den alten Freunden und Mitkämpfern besser verstehen und werden auch dem K. J. V., das wir nie aus unserem Leben und unserer Entwicklung streichen können, dessen starke Kraft uns den Weg hierher gebahnt hat, wieder näher sein. Mit bundesbrüderlichem Gruß Euer Heinz Herr mann (V. J. St. Maccabaea, Königsberg, A. H.). 29

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