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Der jüdische Student · 1929-03-01 · (März 1929) · p. [Seite]

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
(März 1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 27)
Language
German
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kmgen. Und diese Konstruktion behalten sie zeitlebens bei, da bei der keutigen Situation Palästina für die wenigsten von ihnen reales Erlebnis werden dürfte. Sie können daher auch heißer und unbefangener die ferne beliebte lieben, während wir mit Palästina verheiratet sind und hier die Liebe zu bewahren unendlich viel schwerer ist. Im Zeichen der Werbung und Vertiefung des Zionismus kann es nicht genügen, nur ideologisch auf seine Bedeutung zur Erneuerung des jüdischen Menschen und zur Lösung der Judenfrage hinzuweisen, es muß auch mit Recht auf bereits Erreichtes hingewiesen werden. Das geschieht bisher ia einer zwiespältigen Form. Entweder man übertreibt die Sachlichkeit bis aufs äußerste und tritt Krisen und manchmal sogar kleine Lokalereignisse in größter Oeffentlichkeit breit, um heroisch gerade auf diesem schwarze» Hintergrunde ein „Und dennoch" aufleuchten zu lassen, das die Anstrengungen für unsere Sache vergrößern soll — oder man verdrängt alles Ungünstige möglichst rasch, hält sich nur an die guten Seiten des Erreichten, ist mit allem sehr zufrieden und beleidigt, wenn man an störende Realitätea erinnert wird. Beide Typen sehen wir an den Touristen alljährlich demonstriert, manchmal sogar in einer Person, je nach der Stimmungslage, vereint. Die wenigen Menschen, die imstande sind, die Dinge real zu sehen und Minen gemäß politisch zu handeln, sind unbeliebt und werden gezwungen, 'm den Hintergrund zu treten. Ich weiß sehr wohl, daß es ein fast unlösbares Problem ist, wirkungskräftige Propaganda mit sogenannter nackter Wahrheit zu betreiben, ohne Aufbauschung und ohne Schönfärberei, aber ich such ja hier Mur die Gründe für den Mangel an Verständigung zwischen uns nachzuweisen. Ich will auch nicht die Wichtigkeit der geeigneten Propagandamittel wie Filme und Touristik herabsetzen. Eigentlich müßten unsere zahlreichen Rückwanderer, soweit sie zionistisch aktiv geblieben sind, hier imstande sein, vieles im stillen zu bessern und zu klären, aber solange man sie selbst in guten zionistischen Kreisen als gescheiterte Existenzen betrachtet und ihnea »it stummen Vorwürfen begegnet, wird das schwer halten. Ich weiß wohl, daß das nur eine Seite des Problems ist, ich weiß ferner, daß je nach individueller Färbung zahlreiche andere Faktoren für diese Differenzen maßgebend sind, ich habe insbesondere bewußt wirtschaftliche und soziale Fragen ausgeschaltet; es sind die Empfindungen eines nier lebendem bürgerlichen, in akademischem Berufe befindlichen Durchschnitts-K. J. V.er- Typs, die ich etwa so zusammenfassen möchte: Wir sind weit entfernt von jeglicher Romantik und müssen unsere Liebe zum Lande in der Realität des täglichen Lebens bewahren. Das, was früher erträumtes Ideal war, ist bei uns Tatsache geworden, die uns zwingt, Erfüllung weiterer Träume auf Generationen zu verschieben. Das ist nicht immer leicht und bekommt übrigens — wie jede nackte Wahrheit — vielen von uns nicht gut. Manche vertragen diesen Ernüchterungschok überhaupt wicht, fallen offiziell oder innerlich ab, machen allerhand seelische Krise» i&irch. Falls sie im Lande bleiben, isolieren sie sich und werden zu dauernd mißvergnügten Nörglern. Wir anderen dagegen, das Gros von uns, nehme« den Kampf auf und versuchen es, im Lande als Zionisten zu leben, langsam ifas einzubürgern, an der politischen und kulturellen Entwicklung teilzu- 26

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