Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 22)
- Language
- German
- Belongs to
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deren ursprüngliche Palästinabegeisterung allmählich einer allgemeinen Gleichgültigkeit Platz macht. Es handelt sich hier nicht nur um eine Alterserscheinung, sondern auch wieder um das praktische Versagen einer Illusionierung. Diesen Bundesbrüdern kann ich natürlich hier im allgemeinen Rahmen keine ausführlichen Vorschläge geben. Ich bin aber gern bereit, jedem einzigen von Euch mit meiner Paiästinaerfahrung zur Verfügung zu stehen. Ich möchte jedenfalls mit einem kleinen praktischen Rat für diejenigen unter Euch schließen, denen es in der Zeit ihres praktischen Wirkens nicht möglich ist, nach Palästina zu kommen, die aber soweit vorangekommen sind, daß sie an einen Lebensabend als Rentner denken können;. Palästina ist ein schönes Land, und Teile davon, insbesondere die Umgebung von Jerusalem und der Karmel, sind ideale Wohnmöglichkeiten für Rentner, insbesondere für solche, die noch nicht am Ende ihres geistigen Wirkens angelangt sind. Ich wünsche, daß wenigstens 5 °/o unter Euch einen solchen Plan in die Wirklichkeit umsetzen. Die freien Berufe in Palästina und das K.J.V. Von Karl Hilb, Haifa (V. J. St. Ivria, Heidelberg, A. H.). Es ist eine seltsame Erscheinung, daß das K. J. V. als eine Vereinigung von Menschen, die zum größten Teil in freien Berufen tätig sind, seine Berufsgenossen in Palästina, die als freie Architekten, Ingenieure, Aerzte und Rechtsanwälte in Palästina arbeitenden Bundesbrüder, anscheinend vollständig vergessen hat. Man hört wohl hier und da, daß einer die Wahnsinnstat begangen hat, vielleicht sogar mit einer Familie nach Palästina zu übersiedeln, um dort einen freien Beruf auszuüben, hört dann vielleicht nach langen Jahren, daß er sich dort durchgesetzt hat, oder trifft ihn auch plötzlich eines Tages in Königsberg, Berlin oder Leipzig als Gescheiterten wieder. Von dem schweren Weg des Aufstiegs oder von dem noch bittereren des Abgleitens hat man im allgemeinen keine Ahnung. Das ist insoweit nicht weiter verwunderlich, als man in den ersten Jahren der Einwanderung nur den Arbeiter-Chaluz als den einzigen wichtigen Faktor beim Aufbau des Landes anerkannt hat, in den weiteren Jahren sich nur schwer dazu durchrang, im Kaufmann und Kapitalisten eine wertvolle Kraft im Dienste der Kolonisation zu sehen, während man wohl auch heute die freien Berufe gerade noch vor dem so übel beleumundeten „palästinensischen Bodenspekulanten" — ein Begriff übrigens, über den zur Reinigung der Gehirne ein ganzes Buch geschrieben werden müßte — rangieren läßt. Daß aber hier wie überall in der Welt die in freien Berufen Stehenden gerade keine Parasiten der palästinensischen Gesellschaft sind, daß ihre Tätigkeit, wenn auch nicht von so handgreiflicher, so doch von nicht zu unterschätzender Bedeutung für den Aufbau ist, darüber ist eine Akademikerorganisation wohl im klaren. Es ist zwar heute ganz klar, daß quantitativ kein Mangel, vielmehr eher ein Ueberfluß an Akademikern besteht, wenn man aber das Material auf die Qualität hin prüft, so kann man oft wünschen, noch einige gediegene,!>3