Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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Jungen in diesen Distrikten. Es wird hier, u. a. auch von mir, seit viele» Jahren auf die Küstenebene hingewiesen, ein Bezirk, der infolge seiner Verseuchung mit Malaria fast menschenleer und daher niedrig im Preise ist, der aber durch verhältnismäßig billige Sanierung mit viel höherem ökonomischen Nutzeffekt in hochwertiges Pflanzungsland umgewandelt werden kann. Ich bin ein wenig zu weit in diese Frage eingegangen, da es mir in diesem Rahmen nicht darauf ankommt, für oder gegen den Anbau von Getreide oder für oder gegen den Ankauf von unbewässerbaren Bodenflächen zu sprechen. Ich bekämpfe nur die Tendenz, die von gewissen ideologischen Zentren in Mitteleuropa ausgeht, unsere Jugend mit Gewalt in die Emekkolonisation zu treiben und die Möglichkeit eines raschen ökonomischen Aufstieges in den Pflanzungskolonien mit dem Nimbus der Zweitklassigkeit abzutun. Erfreulicherweise ist hier inzwischen ein gewisser Wandel eingetreten, eine Tendenz, der man sich in den „führenden" Kreisen aus Verlegenheit mehr oder weniger angeschlossen hat. Ein zweites wichtiges Kapitel ist die Einstellung unserer Etappe zu den Problemen des Sozialismus und den damit mehr oder weniger verbundenen sonstigen Reformbestrebungen. Es ist ohne weiteres klar, daß wir alle, die wir aus idealistischer Einstellung zum Zionismus kamen, mit dem Beschluß der aktiven Mitarbeit in dieser Bewegung den Wunsch verbinden, im Rahmen dieser Arbeit auch möglichst viel zur Förderung allgemein menschlicher Ideen zu tun, und daß ein großer Teil des Interesses am Zionismus gerade darin besteht, im neuen Lande vieles von dem in kurzer Zeit erreichen zu können, wozu im alten Europa viel größere Zeitspannen erforderlich sind. Ich hoffe, mich nicht lächerlich zu machen, wenn ich das Bekenntnis ablege, daß ich noch heute stark unter dem Einfluß dieser Gesichtspunkte stehe. Es ist aber ein gewaltiger Unterschied, ob man an alle diese Fragen theoretisch herantritt, oder ob man mit ihnen praktisch zu tun bekommt Ich möchte, um nicht zu ausführlich zu werden, aus dem großen Komplex nur eine Frage herausgreifen. Das ist das Bodenproblem. Es gibt sicher wenig Bundesbrüder, die sich praktisch so stark für die Nationalisierung des Bodens eingesetzt haben, wie ich, was ich nebenbei auch heute noch aus voller Ueberzeugung tue. Trotzdem habe ich mich, anfänglich sehr widerstrebend, doch entschließen müssen, zu normalen europäischen ökonomischen Methoden zurückzugreifen, um auf diesem meinem Spezialgebiete in Palästina mit Erfolg tätig sein zu können. Wäre ich 15 Jahre früher so beraten worden, wie ich heute meine Freunde beraten kann, so wären mir viele Mißerfolge erspart geblieben, die letzten Endes einen Schaden für die Sache darstellen. Ich möchte zum Schluß noch eine Frage streifen, in der auch viele nicht nicht wieder gut zu machende Fehler von Seiten unserer berufenen und unberufenen Propagandisten gemacht worden sind, und zwar die Frage der Uebersiedlung. Ich stelle fest, daß nach so vielen Jahren der Propaganda, der Berufsberatung und der Studienfahrten der größte Teil unserer Bundesbrüder vor der Unmöglichkeit steht, in absehbarer Zeit an eine Uebersiedlung nach Palästina zu denken. Viele gescheiterte Versuche schrecken die anderen, 22