Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 17)
- Language
- German
- Belongs to
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leistete. Von 1919 bis zum 1. Januar 1926 wurden an eigentlichen bäuerlichen Siedlungen nur 3283 Stellen von 10—20 Hektar und 1309 Stellen über 20 Hektar geschaffen! Noch bescheidener sind die Resultate, die die englische überseeische Kolonisation in Australien aufzuweisen hat. Durch die zionistische Presse gingen seinerzeit die Berichte über die Siedlungserfolge oder richtiger Mißerfolge, die in der westaustralischen Siedlung nach dem Kriege zu verzeichnen waren. Dort hat die Hälfte der angesiedelten Kolonisten die Siedlungsgruppen im Laufe der ersten sieben Jahre wieder verlassen. Im Laufe dieser Zeit war noch keine einzige Gruppe in der Lage gewesen, sich von der Unterstützung durch die Administration der Gruppensettlements unabhängig zu machen. Die Siedlungskosten sind durchweg höher als in Palästina gewesen und in manchen Fällen mußten neue und kostspielige Siedlungspositionen wieder gänzlich aufgegeben werden, weil es nicht möglich war, dort vorwärts zu kommen. Nun sind Fehler, die andere machen, gewiß keine Entschuldigung für selbst begangene. Sie zeigen aber doch sehr deutlich, daß das viel improvisiertere jüdische Siedlungswerk in Palästina sich sehr gut neben seinen wohlhabenden Schwestern sehen lassen kann. Der Stand des jüdischen Siedlungswerkes ist gewiß nicht befriedigend und verlangt in allernächster Zeit gebieterisch eine Erweiterung. Aber ist es schon, ganz abgesehen von der finanziellen Seite, unter denkbar günstigen Bedingungen eine große und schwere Aufgabe, Menschen zu verpflanzen, auf fremdem Boden Tausende von Existenzen neu aufzurichten, so darf das jüdische Siedlungswerk angesichts seiner anormalen Bedingungen eine Beurteilung verlangen, die diesen Bedingungen Rechnung trägt. In engem Zusammenhang damit, aber weit darüber hinausgreifend steht eine andere Frage: hat die Entwicklung in Palästina unseren ursprünglichen Erwartungen entsprochen? Es ist kein Geheimnis, daß gemessen an den Erwartungen der Jahre 1917 und 1925, das zionistische Lager von einer tiefen Enttäuschung heimgesucht worden ist. Das Bedenkliche daran ist aber nicht etwa, daß sich Hoffnungen nicht erfüllt haben, Illusionen ihres Glanzes beraubt wurden, sondern daß die Lehren dieser Jahre, die gewonnenen Einsichten so wenig beherzigt werden. Das bezieht sich gleichermaßen auf kleine und große Dinge. Nur ein Beispiel: wie steht es mit dem Immigrationsproblem! Ich will wiederum nur einiges mir wesentliche herausgreifen. Gegenüber den ursprünglichen Berechnungen und Forderungen hat eigentlich nur das Jahr 1925 eine Einwanderung gebracht, die ihnen einigermaßen entsprach. Es ist natürlich falsch, zu sagen, daß ihr Scheitern durch den Mangel an Instruktion und ein Versagen zionistischer Instanzen herbeigeführt wurde, wenn auch manches durch eine bessere Vorsorge hätte gerettet werden können. Auch wenn sich damals alle Immigranten dem Orangenbau — der ja schon 1925 als die rentabelste landwirtschaftliche Kultur bekannt war — zugewandt hätten, hätten sie für eine Reihe von Jahren ohne Einkommen warten müssen, bis sie die Tsten Erträge von ihrer Kapitalsanlage bekommen hätten; sie hätten also im Auslande ihren Beruf weiter ausüben oder Subsistenzmittel für fünf bis sechs Jahre 18