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Der jüdische Student · 1929-03-01 · (März 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
(März 1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 14)
Language
German
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Vertretung in praxi aus? Heute bestehen Parlamente in mehr oder weniger ausgeprägter Form in den Nachbarländern Palästinas: in Syrien, Irak, Aegypten, ja selbst in dem lächerlichen Staat Transjordanien. Die palästinensischen Araber, die vor sechs Jahren die Wahlen zum Legislative Council boykottieren, während sich die Juden daran beteiligten, verlangen heute, mit ihren Brüdern jenseits des Jordans staatsrechtlich gleichgestellt zu werden. Nun ist die Verfassung vom Jahre 1922, die einen Legislative Council,' bestehend aus elf Regierungsvertretern und zwölf gewählten Volksvertretern, vorsieht, zwar vorläufig suspendiert aber nicht überhaupt außer Kraft gesetzt. Es besteht also die allergrößte Wahrscheinlichkeit, daß die Regierung nach einigem Zögern diese Verfassung wieder in Kraft setzen wird und daß die Araber sie mit Begeisterung annehmen werden. Für die Juden, die 1922 nur 11 o/o der Gesamtbevölkerung darstellten, besteht also heute, wo sie 18 o/o ausmachen und damit das Recht auf eine vermehrte Zahl ihrer Vertreter haben, gewiß keine Veranlassung, den Legislative Council zu fürchten. Zusammen mit den Regierungsvertretern bilden sie nämlich immer die Mehrheit, und kein Beschluß, der gegen den Buchstaben oder Geist des Mandates verstoßen würde, fände eine Majorität. Darüber hinaus bestimmt § 18 der Verfassung, daß jeder Beschluß des Legislative Council, der gegen das Mandat gerichtet ist, eo ipso ungültig ist. Ist also die Volksvertretung in der Form des Legislative Council — und zu mehr wird sich die Regierung vorläufig auf keinen Fall verstehen — völlig „ungefährlich" für den Zionismus, so wird andererseits dadurch der erhebliche Nutzen gewonnen, daß sich die politische Leidenschaft der Araber, von der Oeffentlichkeit kontrolliert, „abreagieren" kann und daß eine Plattform geschaffen wird, von der aus man Fragen allgemeinen Cnarakters, die nichts mit Politik zu tun haben, und es gibt deren Tausende vor allem auf dem wirtschaftlichen Gebiet, vom Standpunkt der Bevölkerung aus entscheiden kann. Und das wäre schon ein großer Gewinn. Von hier aus gelangen wir auch zur Frage des „siebenten Dominions". Selbst wenn die Umwandlung Palästinas in ein britisches Dominion möglich wäre — sie würde die Aufhebung des Mandates zur Voraussetzung haben —, selbst dann würde das Dominion nur ein jüdisch-arabisches Kondominium sein können, genau wie Kanada ein englisch-französisches und Südafrika ein englisch-burisches Kondominium darstellt. Denn daß es möglich wäre, die Araber in Palästina auf die Stellung von Buschmännern oder Austrainegern zurückzuschrauben, die zwar in Dominions leben, aber nicht zur herrschenden weißen Klasse gehören, das, hoffe ich wenigstens, reden sich die Anhänger der Dominion-Idee nicht ein. Aber auch eine erkennbare jüdische Mehrheit würde es nicht vermögen, aus Palästina einen reinen Nationalstaat zu machen. Es ist also nicht Wirklichkeitsfremdheit, sondern Realpolitik, wenn der „Brith Schalom" schon heute versucht, die Oeffentlichkeit mit der Idee eines binationalen Palästinas vertraut zu machen. Alle anderen Auffassungen aber gehören zu den von Soskin verhöhnten phantastischen Forderungen von Ideologen und Bücherweisen. 15

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