Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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Mandat anerkannt worden ist, müßte man die jüdischen Ansprüche auf die Klagemauer unter demselben Gesichtspunkte betrachten. Die von einem Teil der Presse geforderte „Rückerstattung" der Mauer durch Gewalt (Enteignung) wird sich nicht durchführen lassen, genau so wenig wie man die Araber aus Palästina expropriieren kann. Es wird freundschaftlicher Verhandlungen mit dem Wakuf bedürfen, die, wenn die Regierung und der Völkerbund wohlwollend gesinnt sind und wenn mit Geld nicht gespart wird, eventuell zum Erfolg, zum mindestens aber zu einem erträglichen modus vivendi führen können." Ich bin eingebildet genug zu behaupten, daß, wenn man sich so verhalten hätte, die Enttäuschungen des zweiten Weißbuches ausgeblieben wären. Aber wer war in jenen Tagen überhaupt vernünftigen Erwägungen zugängig? Die Menge fiel den maßlosen Uebertreibungen des revisionistischen „Doar Hayom" zum Opfer, sie nahm Colonel Kisch auf die Hände — leider auch politisch —, die ganze Welt wurde mobilisiert, man holte zum gewaltigen Schlage aus und hieb zuerst — und fest daneben. Die Araber, die die jüdischen Proteste gegen die Regierung zuerst mit beifälligem Schmunzeln betrachtet hatten, da sie der Regierung auch immer gerne eins am Zeuge flicken, wandten sich sofort mit aller Schärfe gegen die Juden in dem Moment, wo von diesen die Forderung der gewaltsamen Enteignung des Klagemauerplatzes erhoben wurde. Auch sie mobilisierten alle verfügbaren Kräfte, und da Indien in den Augen Englands mehr bedeutet als Warschau, so war die endgültige Entscheidung nicht zweifelhaft. Der Erfolg der ganzen Aktion war der, daß man mit Gewalt viel weniger erreichte, als was man mit Ruhe erlangt hätte und daß die jüdischarabischen Beziehungen, die sich seit mehreren Jahren in friedlichem Sinne entwickelt hatten, aufs äußerste verbittert wurden. Es wird geraume Zeit dauern, bis ein normales und ruhiges Verhältnis, das wir für die ungestörte Fortführung unserer Aufbauarbeit so dringend brauchen, wiederhergestellt sein wird. Soskin bezeichnet als das Ziel des „Brith Schalom" die Schaffung eines arabisch-jüdischen Kondominiums in Palästina mit sofortigem Parlament. Wie wir gesehen haben, ist in dem Programm des „Brith Schalom" nichts von einem „sofortigen Parlament" gesagt. Der „Brith Schalom" ist allerdings der Meinung, daß es unmöglich sei, sich dem arabischen Verlangen nach Beteiligung von Volksvertretern an der Regierung des Landes auf die Dauer zu widersetzen, selbstverständlich unter der unumstößlichen Voraussetzung, daß die Araber die Grundlagen des Mandates und damit der Balfourdeklaration anerkennen. Sollten sie nicht bereit sein, diese Voraussetzung zu erfüllen, so werden sie auch kein Parlament bekommen, da sich die Regierung, gegen die sich der arabische Widerstand doch genau so richtet wie gegen den Zionismus, sich keine Kuckuckseier ins eigene Nest legen wird. Aber selbst, um den schlimmsten Fall zu Konstruieren, wenn die arabischen Führer bereit wären, das Mandat formal anzuerkennen, um dann, wenn sie erst im Parlament sitzen, seine Durchführung durch Mehrheitsbeschlüsse unmöglich zu machen, so würde auch das keine Gefahr für das Nationalheim bedeuten. Denn wie sieht die Frage der Volks- 14