Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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§ 4. Zur Erreichung dieses Zieles soll dienen: a) Das Studium der Probleme, die sich aus dem Zusammenleben der beiden Völker in Palästina und aus dem Völkerbundsmandat ergeben; b) Mündliche und schriftliche Aufklärung von Juden und Arabern über die Geschichte und Kultur der beiden Völker und die Beförderung freundlicher Beziehungen zwischen ihnen; c) Beeinflussung der öffentlichen Meinung im Sinne gegenseitiger Verständigung; d) Schaffung von Institutionen zur Förderung der Ziele der Vereinigung." Das ist alles: Ist dies Programm in der Tat so wirklichkeitsfremd, phantastisch und ideologisch, wie uns Soskin glauben machen will? Dann sei zum Vergleich die Resolution des XII. Kongresses (Karlsbad 1921) über das „Verhältnis zum Arabischen Volke" herangezogen, die heute, wie so viele Kongreßbeschlüsse, schon beinahe vergessen ist. Da heißt es u. a.: „Die feindliche Haltung der durch gewissenlose Elemente verhetzten Teile der arabischen Bevölkerung Palästinas ... kann weder unsere Entschlossenheit zur Errichtung des jüdischnationalen Heims schwächen, noch unseren Willen, mit dem arabischen Volk in einem Verhältnis der Eintracht und der gegenseitigen Achtung zu leben und im Bunde mit ihm die gemeinsame Wohnstätte zu einem blühenden Gemeinwesen zu machen, dessen Ausbau jedem seiner Völker eine ungestörte nationale Entwicklung sichert. Der XII. Zionistenkongreß fordert die Exekutive auf, ihre Bemühungen um eine aufrichtige Verständigung mit dem arabischen Volke auf Grundlage dieser Erklärung und unter uneingeschränkter Wahrung der Balfour-Deklaration in erhöhtem Maße fortzusetzen. ..." Diese Resolution ist, glaube ich, einstimmig von einem Kongreß angenommen worden, der ein Palästinabudget von nicht weniger als 1 i/o Millionen Pfund „beschloß". Die Realpolitiker von damals waren Ideologen, und die Ideologen — Realpolitiker. Was „Brith Schalom" will, ist nichts anderes als was schon vor acht Jahren das oberste Organ der Zionistischen Organisation beschlossen hatte: Verständigung mit den Arabern auf der Grundlage des Mandates. Die jüdische Position in Palästina ist Schwankungen unterworfen, die letzten Endes auf den Generalnenner: viel Geld — wenig Geld zurückzuführen sind. Aber was auch immer geschehen möge, wie immer sich unser staatsrechtliches Verhältnis zu England gestalten wird, wir werden nie um eins herumkommen: um die Anwesenheit der Araber in Palästina. „Un gouvernement passe, mais un peuple reste", diese prophetischen Worte eines arabischen Führers, im Frühjahr 1914 zu einem Zionistenführer gesprochen, haben heute noch nichts von ihrer Gültigkeit verloren. „Manchen Thron schon sahst Du fallen", selbst das englische Reich kann einmal zugrunde gehen, aber die Araber werden bleiben — und wir, und darum haben die von Soskin so verachteten Ideologen die eminent realpolitische Aufgabe, sich zu überlegen, auf welche Weise das Problem des arabisch- 12