Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Siebentes Dominion / Brüh Schalom / Araberfrage. Von FritzSimon, Jerusalem (Ruder-V. J. St., A. H.). Der Artikel von Bbr. Soskin in der Oktobernummer des „Jüdischen Studenten" über Col. Wedgwoods Buch „The seventh Dominion" gibt Gelegenheit, sich im Kreise des Kartells wieder einmal mit der Frage unseres Verhältnisses zu den Arabern zu beschäftigen. Soskins Ausführungen sind dazu besonders geeignet, da sie so ziemlich die offizielle Meinung seiner Partei — des Revisionismus — wiedergeben und da die von ihm vertretene Auffassung auch von Nichtrevisionisten in Palästina häufig geteilt wird. Zu grundlegenden Beweisführungen mangelt es mir leider an Zeit, ich will nur kurz einiges richtigstellen. Soskin stellt uns vor die Entscheidung: entweder das siebente Dominion im Sinne Wedgwoods, d. h. Palästina als das jüdische Glied in der Kette des britischen Imperiums, oder das arabisch-jüdische Kondominium mit sofortigem Parlament, wie es die Leute vom „Brith Schalom" wollen. Daß diese Gegenüberstellung an sich sinnlos ist, da das „Dominion" das „Kondominium" nicht ausschließen kann und braucht, wäre auch Soskin aufgefallen, wenn er sich die Mühe genommen hätte, sich nicht nur mit Wedgwoods Buch, sondern auch mit dem von ihm so gelästerten „Brith Schalom" zu befassen. „Doch wird ihn jeder lesen? — Nein!" So bekennt auch Sosikin, daß er nichts von den unmittelbaren Auslassungen der Vertreter des „Brith Schalom" gelesen habe, sondern nur über sie. Sein Kronzeuge ist ausgerechnet Musa Kasim Pascha, dessen antizionistische Stellungnahme ihn darin bestätigt habe, daß es sich beim „Brith Schalom" „um wirklichkeitsfremde, phantastische Forderungen von Ideologen, Bücherweisen und nicht Männern des realen praktischen Lebens handelt". An sich hat sich Soskin mit dieser Unterlassungssünde, die einem Manne der Wissenschaft, zumal wenn er in einem akademischen Blatte schreibt, nicht wohl ansteht, überhaupt jedes Anspruches begeben, ernst genommen zu werden. Was würde er zum Beispiel von jemandem halten, der sich über seinen Plan der Kleinsiedlung nur aus den Aeußerungen der Gegner orientiert, und wie würde er und wir alle gegen einen Beurteiler Palästinas zu Felde ziehen, dessen einzige „Quellen" die Broschüre von Dr. Wiener oder ein Artikel von Bruno Weil gewesen wäre? Aber seien wir milde. Ueber Wedgwoods Ideen ist der Leser durch Soskins Artikel hinreichend unterrichtet, über den „Brith Schalom" unterrichtet uns am besten dessen Programm, das auf hebräisch, arabisch und englisch in Hunderten von Exemplaren gedruckt vorliegt, also auch für Soskin erreichbar gewesen wäre. Es lautet: „§ 3. Das Ziel der Vereinigung ist, zwischen Juden und Arabern über die Formen ihrer gegenseitigen sozialen Beziehungen in Palästina auf der Basis absoluter politischer Gleichberechtigung zweier kulturell autonomer Völker Verständnis herzustellen und Richtlinien für ihre Zusammenarbeit für die Entwicklung des Landes zu finden. 11