Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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er gestattet ebenso wenig, aus dem Zionismus ein Geschöpf von Gnaden der Araber zu machen, wie es in Wahrheit der Brith Schalom und die Redaktion der „Jüdischen Rundschau" tun. Wir glaubten vor dem Kriege an die Verwirklichung des Zionismus unter türkischem Regime, bei wenigen tausend Einwanderern jährlich und einem Budget, das im Jahr weit unter dem heutigen Monatsbudget stand. Dieser Glaube fehlt heute den Revisionisten nicht minder, als der Richtung, die in Deutschland Dr. Weltsch repräsentiert. Der Exkurs ist im Grunde im Rahmen des Artikels geblieben: denn was ich jetzt auseinandersetzen wollte, und was der Exkurs zum Teil schon enthält, war die Darstellung der Entwicklung, die ich selbst in Palästina genommen habe und die gerade im J. St. dargestellt werden kann, wo wir mit größerer Unmittelbarkeit und persönlicher sprechen dürfen als im Rahmen eines allgemeinen zionistischen Blattes. Und eine solche Darstellung gehört um so mehr hierher, als ich glaube, daß ich den Weg gegangen bin, der die wirkliche Konsequenz des deutschen Zionismus darstellt, den wir in Deutschland bekannt haben. Die Ideale, in denen unsere K. J. V.-Generation erzogen wurde und die uns nach Palästina geführt hat, die Ideale, die uns auf den ersten Delegiertentagen und Kartelltagen des Nachkriegszionismus in die Linksreihen treten ließen, leben noch heute ungebrochen in der palästinensischen Arbeiterschaft und in den Reihen des Hechaluz, der darauf wartet, in die Reihen dieser Arbeiterschaft zu treten. Ihr sich einzugliedern, schien uns in Deutschland das Höchstziel zionistischer Entwicklung, wenn nicht im Beruf, so doch wenigstens in der politischen Stellungnahme. (Die hier auftauchenden Fragen der Ueberwindung der zahlreichen Schwierigkeiten, die auf dem Wege einer menschlichen Eingliederung liegen, tun hier nichts zur Sache.) Nur wer an die schöpferischen Kräfte dieser Kreise unserer Bewegung glaubt, durfte den Weg der Agency gehen, denn nur ihre Kraft und ihr Opfermut werden imstande sein, die nationalen Schäden zu verhindern, die der Einfluß nicht nationaler Elemente auf uns ausüben kann. Nur in diesem Kreise lebt ungebrochener Glaube an die Verwirklichung des Zionismus, gepaart mit echtem Willen zur Versöhnung mit dem arabischen Volke, gleich weit entfernt von den Kapitulationsgelüsten des Brith Haschalom wie von der Ueberheblichkeit und dem Chauvinismus des Revisionismus. Und hier allein habe ich die Initiative und die Fähigkeit zur Hingabe gefunden, die alles, aber auch alles geschaffen hat, was heute in Palästina besteht. Hier, und nur hier kann man den Gedanken der Konsolidierung, soweit er gesund ist, ins Werk setzen, weil er kein Zeichen des Verzichtes, sondern ein Weg zu besserem Schaffen ist. Das klingt Euch nicht neu? Ihr habt recht, denn es ist der Geist des deutschen Zionismus in seinen besten Vertretern und seinen besten und fruchtbarsten Epochen. Dabei mitzuhelfen, ihn zurückzurufen, ihn von den Schlacken zu befreien, die heute im Drange der Not das Bild entstellen, ist ein Zweck dieses Aufsatzes und liegt im Rahmen dieses Heftes, das den Kontakt — und damit auch den Einfluß — Palästinas auf die Galuth wieder stärken will. 10