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Der jüdische Student · 1929-03-01 · (März 1929) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
26 (1929)
Issue
(März 1929)
Date
1929-03-01
Page
[Seite] (sequence 7)
Language
German
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oder, richtiger gesagt, einer Interpretation dieser Wirklichkeit Die Tatsache, daß die englische Palästinapol i t i k in keiner Weise als Förderung der Verwirklichung des Zionismus angesprochen werden kann, sondern höchstenfalls als passive Sympathie gegenüber dem zionistischen Aufbauwerk, die einschränkenden Interpretationen des Weißbuchs, die starke und vorläufig nicht nachlassende arabische Gegnerschaft, die gleichgültige Haltung der überwältigenden Mehrheit des jüdischen Volkes gegenüber dem zionistischen Aufbauwerk, die damit im Zusammenhang stehenden Schwierigkeiten und Rückschläge des Aufbauwerks selbst haben in ihrem Zusammenwirken zu tiefen Zweifeln an der Möglichkeit des Zionismus geführt, und der Achad Haamismus erscheint als ein Rettungsanker, der es ermöglicht, auch in dieser verzweifelten Lage Zionist zu bleiben. Das soll nicht etwa heißen, daß irgendeinem der führenden Männer des deutschen Zionismus bewußt zuzutrauen wäre, daß er am Zionismus verzweifle und sich bewußt eines derartigen Rettungsankers bediene, aber psychologisch ist der Vorgang zweifellos richtig gesehen, wie auch daraus folgt, daß Robert Weltschs Ruf nach einer Revision der zionistischen Ideologie in seinem Achad Haamistisch und anti-Herzlisch bestimmten Gedankengange in unmittelbarer Verbindung mit dem Höhepunkt der Krise in Palästina auftauchte, so daß hier die Gedankenverbindung direkt gegeben war. So ergab sich alles weitere: Das Weißbuch, in Wahrheit, wie von Weizmann immer zugegeben, ein uns abgenötigtes Dokument, wurde zur rettenden Formulierung des zionistischen Endziels erhoben; die Versöhnung mit den Arabern, stets eine Grundsäule zionistischer Politik, wurde so sehr zum Hebelpunkt unserer Politik gemacht, daß man ihrentwillen auch vor den größten Konzessionen nicht zurückscheute. Die Konsolidierung unserer Wirtschaften in Palästina, an sich eine auch von Arbeiterführern erhobene, keinen Grund zu irgendeiner Erregung bietende rein praktische Forderung wurde mehr und mehr zu einer zionistischen Weltanschauung, bei der der Betrachter den Eindruck nicht los werden konnte, daß hier eine Gruppe, der die Erreichung einer Majoritätsstellung in Palästina bereits eine Unmöglichkeit erschien, unbedenklich in einen jahrelangen Stillstand unseres Werkes willigte, da die von Weizmann so oft mit letztem Nachdruck verkündete Tempofrage für eine solche Auffassung freilich nicht mehr existierte. Und endlich der Gedanke der Heranziehung der Nichtzionisten in Form der erweiterten Agency (ein Gedanke, dessen Anhänger ich stets war) erhielt gerade in Deutschland häufig eine Richtung, die vom Gedanken der Bündnispolitik sehr fern lag. Es waren gewiß nicht unsere deutschen Freunde, die im Juni auf der A.-C- Sitzung für die nationalen und sozialen Sicherungen kämpften, die erfreulicherweise erreicht worden sind und die es allein gestatten, heute in der Erweiterung der Agency eine konsequente Politik im Sinne des Gedankens der Bündnispolitik zu sehen. Und wenn Blumenfeld stets mit Recht verlangt hat, daß nur eine starke, in sich gefestigte und ihres Enderfolges sichere zionistische Bewegung Bündnispolitik treiben darf, so scheint die Frage nicht überflüssig, ob heute die zionistische Bewegung, jedenfalls in Deutschland, dieses Charakteristikum aufweist. 8

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