Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 26 (1929)
- Issue
- (März 1929)
- Date
- 1929-03-01
- Page
- [Seite] (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Der Weg des deutschen Zionismus. Von Fritz Löwenstein, Jerusalem (V. J. St. Maccabaea, Berlin, A. H.). Um ein Wort Bismarcks zu variieren: Ich verließ im Jahre 1923 Deutschland als ein normales Produkt des deutschen Zionismus (oder des K. J. V., was etwa dasselbe besagt). Was charakterisierte damals den deutschen Zionismus? In der Vorkriegszeit war unter dem beherrschende» Einfluß Blumenfelds eine bestimmte zionistische Grundauffassung herausgebildet worden, die auf der Synthese von Herzl's politischem Zionismus mit den von Ar'.ad Haam herrührenden kulturellen Gedanken beruhend im Zionismus die Lösung der Judenfrage erblickte, die Lösung sowohl der Fragen des Volkstums wie des Volkes wie endlich die der jüdischen Einzelpersönlichkeit, die in Deutschland besonders stark im Mittelpunkt der Diskussion stand, weil das deutsche Judentum dem Volke und seiner Kultur fern ist. Für das zionistische Individuum lag nach damaliger Auffassung die Lösung seiner individuellen Judenfrage in der persönlichen Uebersiedlung nach Palästina. Der Zionismus war eine kämpfende Gruppe int Judentum, und in der schonungslosen Aufdeckung der menschlichen und jüdischen Minderwertigkeit der Assimilation, im Glauben an die ethische Ueberlegenheit des Zionismus lag die Gewißheit unseres Sieges. Die Entwicklung während des Krieges und nach ihm ging durchaus in derselben Richtung. Blumenfelds epochemachender Aufsatz im „Juden" über Bündnispolitik war die Krönung unserer „radikalen" Auffassung des Zionismus: keine Kompromisse; keine Opportunitätspolitik; aber die in sich gefestigte und zielbewußte zionistische Bewegung durfte Bündnisse mit anderen Gruppen schließen, bei denen jeder seine Gesinnungen behielt. Palästinaprobleme standen in Wahrheit erst nach dem Kriege konkret vor uns. Unsere Stellung zu ihnen war von vornherein, gegeben: Mit Begeisterung bejahten wir den Gedanken des Hechaluz, die Idee eines selbstarbeitenden und schaffenden Palästina, wie es die palästinensische Arbeiterschaft verkörperte. Schienen doch diese Ideen nur die Verwirklichung unserer zionistischen Ideologie auf dem Boden Palästinas zu sein. Der Unterschied zwischen der sozialistischen Arbeiterschaft Palästinas und dem linksbürgerlichen deutschen Zionismus, der, wie es damals hieß, der Arbeiterschaft Hilfsstellung gab, schien uns belanglos. Daß das radikale Bekenntnis zum jüdischen Volkstum auch die Verpflichtung mit sick brachte, die hebräische Sprache zu erlernen und durch ihr Medium den Weg zu jüdischer Kultur zu finden, hatten kleine Kreise schon lange gewußt. Blumenfeld war es wiederum, der es zu einer anerkannten Forderung de« deutschen Zionismus machte. Auch politisch schien die Richtung klar: Niemand zweifelte daran, daß das Endziel der Judenstaat war, und niemand glaubte, daß dieses Ziel mit der uns immer selbstverständlich erscheinenden brüderlichen Annäherung an die Araber in einem Gegensatz stand. In den fünf Jahren, die ich nunmehr mit einer kurzen Unterbrechung in Palästina lebe, hat sich der deutsche Zionismus wesentlich verändert. Er verbrennt heute vieles, was er einmal anbetete, und betet vieles an, was er einst verbrannte. Das muß nachgewiesen werden. Dabei ist es klar, 6