Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 29)
- Language
- German
- Belongs to
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sucht und glaubte, sie im Zionismus gefunden zu haäen. Als ihm die Irrtumliehkeil dieses Glaubens ganz klar und bewußt gewaiden war — denn Zionismus ist ein politisches Programm, keine Weltaiisc!iaiung —y verzweifelte er. „Uns wurde Judentum so sehr identisch mit Zionismus, daß uns das Aufgeben des Zionismus die bange Frage brachte: Was nun? Erst als ich hier einen Weg sah, kam ich wirklich vom Zionismus ab, erst jetzt vollendete sich die Abkehr." Der Weg aber, den er sah, var der \Jreg Coustaniin Brunners. „Geführt von dem Meister Constantin trimner, erfuhren wir di.e Idee vom Judentum, die Idee vom ewigen und nnerdiiehen Sein, ausgedrückt in den heiligen Worten: Jahwe echad\ Seit unsdies aufging, seit -sieh dies offenbarte in seiner Fülle und Gewalt, seither überwanden wir endlich und endgültig die beklemmende Frage des nationalen Judentums." Das ist die Flucht in den Himmel metaphysischer Wunschträume. Deutlicher kann kein Mensch aussprechen, daß ihm dk seelische Kraft fehlt, in der harten und häßlichen Wirklichkeit des jüdischen Volkes zu leben. Dieser Mensch steht in dauernder bewußter Distanzierimg zu sich selbst und seinen empirischen Daseinsbedingungen. Ein hypertrophkrter Intellekt hat hier die Fähigkeit des unmittelbaren Lebens und Erlebens zerstört. Das normale Gleichgewicht zwischen dem Dasein in der Wirklichkeit und dem Denken über die Wirklichkeit ist zugunsten des Denkens verschoben: zu schwach, die Wirklichkeit zu gestalten, müht sich ein Neuretiker, ihrer durch dialektische Zerfaserung Herr zu werden. Schade! Er war ein Bundesbruder. in. Und das macht diese Schrift für uns bedeutsam-. „Los vom Zionismus" ist nicht die erste anßizionistische A.eußerung gewesener Zionisten. Es wird nicht die letzte sein. (Und der Zionismus wird durch solche Produkte seelischer Schwäche nicht zugrunde gerichtet werden. Aber diese Broschüre ist das mahnende Fragezeichen, das hinter eine bestimmte in Deutschland beliebte Methode zionistischer Erziehung gesetzt wird. Allzu gern übersieht man in zionistischen Kreisen, vor „allem im K. J. V., daß Zionismus — sofern er sich nicht der jüdischen Tradition oder dem Marxismus verbindet — keine Weltanschauung, sondern ein politisches Programm ist. Man erzieht junge Menschen vielfach so, als ob Zionismus, als ob das große, vieldeutige Wort von der „Renaissance des jüdischen Volkes" die Antwort auf alle Fragen der persönlxhen Lebensführung und die Sinngebung des persönlichen Lebens sei. " Man. gibt jungen, um ein Weltbild ringenden Menschen oft den Zionismus a& letzte Antwort. Dadurch nützt man weder dem Zionismus noch dieser Jugend. Der Zionismus wird dadurch aus dem klaren, mir der Erfahrung zugänglichen Bereich der Politik in die dunkle, unkontrollierbare Sphäre weltanschaulicher Meinungen hinübergeschobeu; er mrd aus einer objektiven Arbeitsaufgabe zu einer subjektiven Lebensdeutuncg. Und als solche kann er wiederum auf die Dauer ernsthafte junge Menschen nicht befriedigen. Denn er gibt eben nur unserem sozial-objektivem Leben, unserem Leben als Glied des jüdischen Volkes, die Sinnbc-zie'king, aber nicht unserem individuell-subjektiven Leben, unserem Leben ak Persönlichkeit. Es gibt