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Der jüdische Student · 1928-12-01 · Heft 8 (Dezember 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 8 (Dezember 1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 28)
Language
German
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Aufschrei niederschrieb, am Zionismus gelitten haben! Wie glücklich muß er gewesen sein, als Constantin Brunner ihm einen Wegzeigte, au? dorn er mit beruhigtem Gewissen dem ihm unerträglich gewordenen Zionismus entrinnen konnte. Dieser Aufschrei ist der Schlüssel zum Verständnis der ganzen Bro* schüre. Denn auf seinen Ton sind, wenngleich etwas weniger kraß, auch die beiden anderen Aufsätze gestimmt. Daß 'ein ostjüdischer Misrachist aus dem früheren Oesterreich-Ungarn im Verlauf seines persönlichen Assimilationsprozesses zum zielbewußter* Verfechter assimilantischer und antizionistischer Theorien wird und sie in einem Essay vertritt, dessen bald salonmäßig-geistvolle, bald kleinbürgerlich-rührselige Diktion den geistig Entwurzelten verrät, ist weder eine neue, noch eine bemerkenswerte Tatsache. Deshalb ist der Artikel K i m - e h i s: „W a s mir der Zionismus war und was er mir i s i" auch herzlich langweilig. Ungleich ernsthafter und. männlicher als seine Mitstreiter tritt uns Ernst Ludwig Pinner entgegen, dessen Feder der umfangreichste Aufsatz und das Schlußwort der Broschüre entstammen. Seinem Artikel „M eine Abkehr vom Z i o n i s m u s, eine Rechenschaft für meine zionistischen Freunde" merkt man es an, daß ein Mann sie geschrieben hat, der zwanzig Jahre lang ein guter Zionist und K. J. V.er war, ein Mann, der , begriffen hatte, daß eine sinnvolle, weil der Wirklichkeit teilhafte Existenz als Jude nur dem Zionisten möglich ist. Warum hat dieser Mann sich jetzt vom Zionismus abgewendet? Nicht, weil es keine jüdische Nation gibt und die deutschen Juden zur deutschen Nation gehören; nicht, weil die Gewinnung Palästinas unmöglich ist; nicht, weil ein jrldsches Palästina für das Leben der Juden keine Bedeutung besitzt. Diese Argumente, die Pinner gegen den Zionismus ins Treffen führt, kannte er vor zwanzig Jahren auch schon. Damals lehnte er sie wie wir als teils unsinnig, teils unerheblich ab. Wenn er sie heute anerkennt, so ist das nicht Ursache, sondern Wirkung einer inneren Wandlung. Die Ursache aber dürfen wir auch bei ihm dort suchen, wo wir sie schon' bei seinem Freunde Blankcnfeld gefunden haben: im Versagen der seelischen Kraft. „Was kümmern den die heutigen Juden, was kümmern den ihre leibliche Not und ihre innere Ratlosigkeit, was kümmert den der Zionismus, dessen Minimalprogramm doch immer noch eine Heimstätte für das angeblich existierende ganze jüdische Volk verlangt. Wer so den von Grund auf beginnenden Neubau eines jüdischen Volkes will, sei er ein Phantast oder ein Wahnsinniger, der tue sein Werk, solange es geht, ohne den übrigen Juden zu sagen, daß er für sie schaffe. Der, von dem ich hier Sprech, das ist der heutige Zionismus." Diese Sätze mit der schwachen Logik und dem starken Ressentiment verraten den Ursprung von Pinners Wandlung: Weder die Tatsache seiner Zugehörigkeit zur Zionistischen Organisation, noch die Tatsache des — wenn auch mit unglaublichen Schwierigkeiten — fortschreitenden Aufbaus Erez-Israels konnten dem Individuum Ernst Ludwig Pinner auf seine „innere Ratlosigkeit", auf seine persönlichen Weltanschauungsfragen eine Antwort geben. Er brauchte aber eine solche Antwort; er hatte sich als Jüngling ge

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