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Der jüdische Student · 1928-12-01 · Heft 8 (Dezember 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 8 (Dezember 1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 20)
Language
German
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In enger Verbundenheit stehen geistige und sittliche Struktur! Es ist Sache des notwendigen Reinlichkeitsgeiühls, wenn ausgesprochen werden muß, daß die Demoralisation der jüdischen Jugend einen unerträglichen Grad erreicht hat. Es ist dabei vollkommen gleichgültig, ob sie bei den Nichtjuden noch größer, oder ob sie dort geringer \~A. Tatsache bleibt, daß sie eine für das überkommene jüdische moralische Bewußtsein unerhört hohe Stufe erklommen hat. Es zeigt sich eben auch hier wie in jeder Schicht der menschlichen Gesellschaft, daß der moralische Status lediglich ein Ausfluß der wirtschaftlichen Situation ist, und es dürfte Kennern der jüdischen Psychologie kaum zweifelhaft sein, daß der Jude eher als jeder andere den krummen Weg vermeidet, wenn er auf dem geraden sein wirtschaftliches Ziel erreichen kann. So ist auch hier die wirtschaftliche Expropriierung, das jüdische Luftmenschentum, die Hauptwurzel des Uebels. Erst in zweiter Linie wird auch für die moralische Destruktion die seelische Entwurzelung, schließlich die vielfach zu beobachtende Auflösung der jüdischen Famihenbindung als Ursache heranzuziehen sein. So steht die jüdische Jugendnot, wenn wir uns erst einmal entschließen, das Problem zu sehen, als eine drückende Tatsache vor uns. So groß auch die Anstrengungen sind, die heute zu einem jüdischen Aufstieg in den erwähnten drei Lagern und nicht minder in dem des liberalen Judentums unternommen werden, so muß doch die jüdische Jugendnot solche Bemühungen unfruchtbar machen, wenn nicht alle Kräfte auf lange Zeit hinaus in erster Reihe, ja nahezu ausschließlich zur Behebung der Not eingesetzt werden. Als vor mehreren Generationen die Berührung mit der abendländischen Kultur die Jugend dem Judentum zu entfremden drohte, versuchte man eine Abwehr, indem man Judentum und Europäertum zu verschmelzen trachtete. So wurde für die Augen eines'großen Teils der jungen Generation ihr Judentum vollwertig, der Kampf um die Gleichberechtigung erhielt seine innere Rechtfertigung und fesselte die Besten. Als zwangsläufig eine nachfolgende Generation, nach Erhalten der liberalen Ideen und ohne Ueberlieferung spezifisch jüdischer Kulturgüter wiederum abtrünnig zu weiden drohte, erneuerte man den* Religionsunterricht und schmiedete aus ihm eine erfolgreiche Waffe gegen den Abfall. Gegenüber neueren, stärkeren Umweltkräften hat diese Waffe an Wirksamkeit eingebüßt. Wieder besteht eine Inkonsequenz zwischen den entreißenden und den fesselnden Kräften, Wieder ist unsere Jugend in Not, und diese Not ist stärker und vielgestaltiger als je. Wieder drohen geistige Inhalte der Umwelt unsere Jugend loszulösen. Wirtschaftliche Bedrängnis, die sich bei Berufswahl und Berufsausbildung bei fa>t jeden jüdischen Jugendlichen drückend bemerkbar macht, geseilt sich dazu. Die Jugend sucht Hilfe und wird sie da dankbar annehmen, wo sie ihr geboten wird. Aus eigenem Antrieb schart sie sich zu Genossenschaften und ihre Führer harren der verständnisvollen Mithilfe. Wer sie bietet, dem wird die Jugend dankbar folgen. Soll die Hilfe von außen kommen? Sollten Geistesströmungen und Hilfsbereitschaften von Uniwelt-1 Zentren aus wieder einmal weite Kreise der Jugend uns entführen? Wir sind zur Umstellung unserer jüdischen Arbeit gezwungen. Wären es. auch wenn die erforderliche Neueinstellung nicht an und für sich Befriedigung 20

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