Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 8 (Dezember 1928)
- Date
- 1928-12-01
- Page
- [Seite] (sequence 21)
- Language
- German
- Belongs to
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und Belohnunggenug böte, wenn sie nicht eine Weiterentwicklung einer alten jüdischen Ueberlieferung darstellte: der tätigen Hilfe. Es ist nur nötig, die alte Zedakah von Auswüchsen zu befreien, erneut zu beleben und in eine moderne, einheitliche Bahn einzulenken. Dazu gehört als Grundlage die Abwehr von einer schtbar schädlichen und überall lähmenden Zersplitterung der jüdischen Wohltätigkeit.- Jede Wohltat irrt ab, wenn sie dem Bedürftigen Geschenke bietet. Jede Gabe schädigt, wenn sie nicht den Antrieb zur Selbsthilfe in sich birgt Ist am falschen Platze da, wo sie das Alter stürzt, ehe sie dar Jugend zu einem neuen tätigen Leben verholfen hat. Jede Wohltat hat übet dann einen Sinn, wenn sie Arbeitsniöglichkeiten schafft. GelduiiterstützMagen sind lediglich zulässig, wenn sie eine tatsächliche wirtschaftliche Jugeaadnot beheben oder Erziehungsbeihilien für Jugendliche schaffen. Schließlkh aber muß jede Wohlfahrtspflege eingeordnet sein in die Bedürfnisse aBer Gesamtheit und darf auch noch so verständlichen Wünschen der Spender sbensowenig Untertan sein, wie übertriebenen Begehrlichkeiten der Bedürftigen. Solange die Jugendnot die ganze jüdische Entwicklung zu vernichten droht, so lange muß die Jugendwohlfahrtspflege erstes Ziel jeder jüdischen Wohltätigkeit sein und alle Wohlfahrtsfonds zielgerichtet auf sich vereinigen. Dann aber wird es möglich sein, eine jüdische Wohlfahrtspflege anzubahnen, die den jüdischen Namen im modernsten Sinne wieder an die Spitze aller Gemeinschaftsbestrebungen stellen wird. Andererseits wird eke solche zentralisierte Wohlfahrtspflege zeigen, daß mit verhältnismäßig' geringen Mitteln viel zu erreichen ist, und schließlich auch zugleich das sxfeeinbar so zurücktretende Interesse der Hilfsbedürftigen noch seine Berücksichtigung finden kann. Vom Weg und Ziel des Kartells. Von Gerhard Rehfeld (V.J.St. Maccabaea, Berlin} a. B.). Als nach der vierten Alijah die Krise begann, mußfe auch das Kartell, für dessen Menschen bis dahin die Uebersiedelung nach Palästina eine reale Aussicht und Hoffnung gewesen war, seine Arbeit umstellen. Vor der Krise war es die Macht der beginnenden Wirklichkeit in Palästina gewesen, die dem Kartell die Menschen geworben hatte. Jetzt galt es, neue Wege der Werbung zu finden, wollte man nicht darauf verzic&ten, der deutschen Assimilation weiterhin junge Menschen abzugewinnen. Die einseitige, intellektuelle, logische Begründung und Erziehung zum Zionismus war nicht mehr imstande, Menschen an die Bewegung zu fesseln. — Konnte man doch schon durch Verstand und Dialektik allein alles beweises und als unbedingt gültig hinstellen. — Ferner dürfte man von den Meuschau, die man werben wollte, nicht nur fordern, man mußte ihnen auch etwas geben, sie menschlich binden, ihnen in ihren Problemen, die ja infolge der Geschwindigkeit der gegenwärtigen sozialen und geistigen Entwicklung sdion wieder andere geworden waren, helfen. Die Forderungen des jungem Kartells wurden daher: Neue Geselligkeit, neue Formen, Gemeinsamkeit des Erlebens, stärkere Bundesbrüderlichkeit. Ein Teil des Kartells glauMe sogar den Weg dazu in der Neubelebung der alten Formen des „Vorkriegskartells" gefunden zu haben. Diese Neugestaltung der menschlichen Binebligen und Formen 21