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Der jüdische Student · 1928-12-01 · Heft 8 (Dezember 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 8 (Dezember 1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 13)
Language
German
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Hoffnung' hernehmen soll In der Prohn elementarer Triebe und Leidenschaften wütet der Mensch oft genug gegen sieh selbst, was sollte ihn, alles Verantwortungsgefühls hdlg} hindern, in der Prohn egoistischer Triebe gegen andere zu wüten und so die Atomisierung und Auflösung der menschlichen Gerneinschaft herbeizuführen? Daß die Menschen, mni den Kampf aller gegen alle zu verhüten, also aus vernünftiger Einsicht, die Gesetze der sozialen Moral einzuhalten sich veranlaßt seilen werden, das zu hoffen, müßte eigentlich gerade Freud schwer fallen, da ja mch ihm der Mensch wesentlich von elementaren Trieben geleitet und in al seinen Lebensäußerrungen bestimmt ist. Wer sagt denn auch, daß das Individuum, wenn es in geschickter und kluger Weise asozial handelt, Schaden erleiden werde? Und wenn, sofern alle oder sehr viele so handeln, die G:eSahr für den Bestandder menschlichen Gesellschaft wächst, was verschlägt Sonn das? Apres nous le deluge! Größere Zusammenhänge zu überschauen, liegt dem Massenmenschen ohnedies nicht, jeder wird nur immer, im Hinblick auf das selbstsüchtige Handeln der andern, glauben, der einzige Damme zu sein, wenn er anders handelt. So ist der Moral mit der Religion in der Tat ihre innere Sicherheit und Kraft genommen, das Leben gerät in «Een Sumpf und versinkt zuletzt im Abgrund, und eben darin wird deutlich wie sehr die Religion die unentbehrliche Grundlage des sich behauptenden und weiter aufwärts steigenden Lebens ist. Der Wahrheitswert der Religion erscheint Freud, wie einst Feuerbach, schon darum allein verdächtig, weil sie aus einem inneren Bedürfen des Menschen oder, wie er es ausdrückt, aus „Triebwünsdtoen" erwachsen sei. Aber ist es nicht etwas voreilig, so zu schließen? Unsere Sinnesorgane und all unsere Erkenntnisfunktionen sind doch auch aus einem Bedürfnis erwachsen, nämlich aus dem Bedürfnis, uns zur Befriedigung praktischer Bedürfnisse in der Außenwelt zu orientieren, und diesen reis praktischen Zweck erfüllen sie doch auch, wie niemand bestreiten kann. Warum also muß ein, aus unserm normalen Empfinden und Bedürfen erwachsenes religiöses Fühlen und Glauben durchaus mit der wahren, letzten Realität der Dinge in Widerspruch und eine bloße Illusion sein? Freud meint, daß die Erkenntnis- und Sinnesorgane aus der Realität erwachsen seien aaad an und aus ihr sich gebildet und entwickelt haben, und darum ist er sogar geneigt, zu glauben, daß jene geeignet sein dürften, uns die Realität nicht nur in Hinsicht auf unsere praktischen Bedürfnisse zu erkennen, sondern, und noch weit tiefer als bisher, in die Realität der Dinge eindringen m lassen. Nun, auch unser ganzes Triebsvstem und unser unter dem Licht de? Intellekts zu immer vollerem Selbstbewußtsein erwachter Wille ist aus der Realität herausgewachsen, er ist ihr sogar noch um ein gut Stück näher als die erst sekundären Sinnes- und ErkeuntnisfMiktionen. Warum also muß die Sehnsucht nach Ueberwindung der endlichen Schranken, clk Erhebung über die empirische Wirklichkeit im Glauben, Vertrauen und Hoffen mit der innersten, wahren Realität der Dinge außer allem Zusammenhanng stehen? Warum, muß, was aus dem frühsten Bedürfen unseres Willens geboren ist, und eben, weil es da ist, durchaus, wie Freud will, «ine Illusion sein? Unsere Seele ist uns das Gewisseste von allem, was es gibt, das, Ton dessen Existenz wir ganz immittelbar wissen, während alle andern Dinge uns nur mittelbar 13

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