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Der jüdische Student · 1928-12-01 · Heft 8 (Dezember 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 8 (Dezember 1928)
Date
1928-12-01
Page
[Seite] (sequence 11)
Language
German
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Behauptung weder beweisen noch widerlegen könne, mcr diese Art von Religion habe keine Zugkraft mehr und werde vom Interesse der Menschen verlassen. Dies wird jedoch nur zutreffen, wenn in der Vorstellung eines höheren geistigen Wesens das religiöse Grundmoüv rieht mehr wirksam ist. Denn daß Gottes Wege nicht des Menschen Wege äihd und also nicht bis zuletzt erfaßt werden können, stellt bereits in der Bbel und das philosophisch geläuterte' Bewußtsein in den höheren Kultuineligionen hat dies immer gewußt und gelehrt. Die Religiosität hat daruner nicht gelitten. Und wenn .wir heute dem noch gründlicher erkannten Heid alles Kr ca türlichen gegenüber darauf hinweisen, daß das Leid in sahen verschiedenen Formen den stärksten Hebel der Entwicklung bedeutav so ist nicht einzusehen, warum die Schwierigkeit, ganz konkrete Vorstdiimgen vom Wesen der Gottheit zu gewinnen, die Religion soll gefährden <sder gar zerstören können. Alles Einzelleid zu deuten und zu begreifen, darauf werden die meisten Menschen um so weniger dringen, als sie noch nk so tief wie heute gefühlt haben, wie unendlich weit wir noch von einem wirklichen Verstehen der Welt, von einem Eindringen in die letzte Realität der HHnge entfernt sind. Freud gibt zu, daß die Religion moralisierend gewirkt hat, aber er meint, noch nicht genug. Noch immer sei die große Mehrzahl der Menschen asozial, unzufrieden und schlecht. Sie hätte es immer verstauten, die schweren ethischen Kultlirforderungen zu umgehen, und die Pnksterschaft sei ihr, um sie überhaupt nur bei der Religion zu halten, dafm weitgehend entgegengekommen. Wie wir schon sagten, malt Freud die Moralität der großen Masse ein wenig zu schwarz, seine Bemänge&ng des bisherigen moralischen Einflusses der Religion wird man aber immerhin zugeben müssen. Wir müssen jedoch demgegenüber bedenken, daJBselbst die höheren ethischen Religionen von der magischen Urstufe her .nach genug zurückbehalten haben, um den vollen Ernst der ethischen Fordeoungen der Religion sich nicht energisch genug auswirken zu lassen. Wir wissen und erwarten', daß sich in der Religion noch vieles wandeln wird, wie sich bisher schon vieles gewandelt hat. Sicher ist, daß infolge der neieren Kritik in Zukunft alles Magische in der Religion überwunden sein wird, und es wird einleuchten, daß bei einer durchgehenden Verknüpfung ies Moralischen mit dem Heil der Menschheit und des Heils des Einzelnen mit dem der Gesamtheit die Möglichkeit zu einer stärkeren Moralisierung gegeben sein muß, als wenn die Menschen sich mit Freud nur sagen, ohne Triebverzicht geht es nun einmal in dieser bösen Welt nicht. Und nun gar siirke höhere Triebe, solche heroischer und enthusiastischer Natur, wie sie da? Leben doch auch; braucht und ohne die es häßlich und armselig wäre, werden sich in einer religionslosen Menschheit schwerlich behaupten und nom weniger steigern können, wenn nicht ein an sich wertvolles Ziel, wenn rieht der Glaube au? einen Silin des Lebens gegeben ist. Der Gedanke, „es geht nun einmal nicht anders'*, wird starke, ethische Kräfte niemals erdüessehi können. Aber wir greifen nunmehr auf die Grundthese Fae.uds zurück. Die Religion ist nach ihm in natürlichen starken Motiven der menschlichen Seele gegründet, in solchen, die mit der schweren koanisclien Lage des Menschen unlöslich zusammenhängen. Die Religion ist dso, so folgern wir, eine Form natürlicher Seibsibehauptung des Menschen, ih bildet keineswegs 11

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