Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 49)
- Language
- German
- Belongs to
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gangssprache eine große Anzahl von hebräischen Worten aufgenonmen hat. Der impomerendste Augenblick des Bundestages war die Art und Waase, wie man die Mitteilung von dem Beschluß des A.-C. aufnahm, 1.250 Zmifikate von der Regierung anzufordern. Der Bund wird für diese neue Alfah eine? Anzahl von Menschen stellen, er wartet sehnsüchtig auf das Einsetzen der neuen Einwanderung und feierte diese Nachricht spontan mit eüher Ursprünglichkeit, die für die Echtheit seiner Palästina-Sehnsucht ein starkes Zeugnis ablegte. IV. Diescs große Posrtivum, die Tatsache seiner Palästina-Verbirarienheit, die Tatsache, daß man trotz Alijahsperre, trotz der Leiden der letztm Jahre keine Kompromisse geschlossen hat und weiter an dem Ziel der chakzischen) Erziehung festhält, würde genügen, um in dem Bund ein großes zionistisches Aktivum zu sehen. Trotzdem muß man die Entwicklung des j. J. W.. B. mit einer gewissen Sorge verfolgen. Sein ganzer Zionismus ist eingesigt auf die beiden Begriffe Chaluz und Kwuzah. Alles, was außerhalb dieser Sphäre liegt, interessiert nicht oder wird als feindselig empfunden. Ein Teil geht nach Palästina nur, weil er dort für seine sozialen Ideale Erfüllung m finden hofft. Ich weiß nicht, ob diese Menschen Zionismen bleiben würdes, wenn durch irgendwelche Faktoren die Kwuzah für sie unerreichbar wäre. Ich weiß nicht, ob große Teile des J. J. W. B. eine weitere Alijah-Speiae überdauern würden, und es ist sehr zweifelhaft, ob es für die Bewährung für Palästina genügt, wenn man in der Kwuzah die einzige und letzte Inkarnation des Zionismus sieht. Der J. }. W. B. muß seine zionistische Welt reicher gestalten, wenn er als Bund weiterleben will. Er muß sich vor allen Dingen in viel stärkerem Maße als Träger der Oesamtbewegung empfinden, er muß Wege finden, um seine in Deutschland bleibenden Menschen politisch und monistisch zu aktivieren. Heute hat man dafür noch nicht sehr vM Verständnis. Reden, die von dem Kanon: Chaluz, Arbeiterschaft, Kwuzah,, Kampf gegen das Bürgertum abweichen, und die versuchen, den J. J. W. B. in größere Zusammenhänge hineinzustellen, werden nur ungern gehört, auch wenn sie von alten bewährten Chawerim gehalten werden. Die Z. V. f. D. kann nicht darauf verzichten, um diesen Bund zu werben. Es wäre ganz unangebracht, ihn, weil er uns ablehnt, zu ignorieren, oder etwa zu bekämpfen. Die Schwierigkeit, von uns aus auf ihn Einfluß zu nehmen, ist darin begründet, daß hier nicht etwa Weltanschauung gegen Weltanschauung steht, sondern Typus gegen Typus. Der Idealtypas des J. J. W. B., von dem der größte Teil des Bundes aber immer meilenweit entfernt bleiben wird, ist der Proletarier der poschete Poef; der Intellektuelle wird mißtrauisch betrachtet, der Politiker nur ungern gesehen. Natürlich 'kann sich eine solche Entwicklung auch ändern. Vielleicht beruht auch dieses Urteil auf zu oberflächlichen Eindrücken. Aber viele Beobachtungen und Besprechungen haben mich in dieser Ansicht bestärkt. Als letzter Eindruck von diesem Bundestag bleibt aber die selbstverständliche zionistische und palästinensische Atmosphäre, die diesen Bund; beute umgibt, und die wir in anderen Jugendbünden so sehr vemissen müssen. gez. Dr. Siegfried Kanowütz. 49