Der jüdische Student
- Journal
- Der jüdische Student
- Volume
- 25 (1928)
- Issue
- Heft 6-7 (November 1928)
- Date
- 1928-11-01
- Page
- [Seite] (sequence 44)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/3537599-3537794-3537800--6954-3544987- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
möglichkeit und Unehrlichkeit in Leben junger Menschen, man sah ein, daß man nur dann das Leben im neuen Erez-Israel bestimmen könne und dürfe, wenn man selbst tätigen Anteil an der eigentlichen Aufbauarbeit nehme. Es entstand der „Hechaluz-Hamisrachi" und als Konsequenz im Jahre 5681 (1921) der „Hapoel-Hamisrachi", die misrachistische Arbeiterschaft in Erez- Israel, die heute etwa 2000 Arbeiter in städtischen und landwirtschaftlichen Kwuzofh umfaßt. So fand die Misrachi-Jugend als „Zeire-Misrachi" ihren Anschluß an das neuerstehende Erez-Israel und trat als besonderes Giied in den Kreis der Gahrth-Jugend des arbeitenden Palästina ein. Der Zusammenhang mit Erez-Israel wurde sowohl organisatorisch als auch ideologisch hergestellt und ausgebaut Organisatorisch dadurch, daß die Misrachi-Jugend sich zusammenschloß in einem Weltbund (Brith olamith sehe! Zeire-Hechaluzwe Hapoel - Hamisrachi), dessen Leitung in Jeruschalajm ihren Sitz hat Die Mitglieder der Leitung sind sämtlich Angehörige des „Hapoel-Hamisrachi"' in Erez-Israel, fast alle sind auch Führer des Hapoel-Hamisrachi. Durch diese Personalunion ist etwas geschaffen, was nur wenige Bünde besitzen, nämlich die starke Abhängigkeit des Lebens und der Arbeit in den Galuth-Gruppen von den Notwendigkeiten und Bedürfnissen der Chawerim in Erez-Israel. Diese innige Verbundenheit zeigt sich in einzelnen Institutionen (Zentralorgan „Natiwah" erscheint iin Erez- Israel; Zentraler Fonds „Keren Thora wa Awodah" hat seine Leitung in Erez-Israel u. a. m.) und in den gemeinsamen politischen Aktionen (gemeinsames Auftreten auf Kongreß- und Misrachi-Konferenzen). Der ideologische Zusammenhang fand dadurch seinen Ausdruck, daß die Devise des „Hapoel-Hamisrachi", die in die Worte „Thora wa Awodah" gefaßt wurde, gleichzeitig zur Grundlage des gesamten Weltbundes gemacht wurde. Was bedeuten diese beiden Worte Thora und Awodah für uns, die wir in dieser Organisation der „Zeire-Misrachi" unsern Platz gefunden haben? Beide sind sie Grundlage und der Ausdruck unseres Zieles, der Tschijath ha'am, der Renaissance, d. h. nicht Wiedergeburt, sondern Wiederbelebung des jüdischen Volkes und des Judentums. Zionismus bedeutet für uns Rückkehr in unser Land nur insofern, als uns damit auch die Rückkehr zu eigenem, freien, jüdischen Leben gegeben ist. Die Grundlagen dieses Lebens finden wir in dem niedergelegt, was wir „Thora" nennen. „Thora'* als Weltanschauung des Judentums, als Lebensinhalt und -ziel des jüdischen Volkes, als ihm von Gott übertragene Aufgabe. „Thora" sind alle die Grundsätze und Lehren, die in T'nach, Mischnah, Gemarah, Schulchan-Aruch und allen anderen aus dem Urquell der jüdischen Ueberlieferurig schöpfenden Erklärungen niedergelegt sind. „Thora" sind aber abenso auch die jüdischen Lebensformen und -forderungen, die Gebote und Verbote, die als gesetzliche Bestimmungen das Dasein der Juden regeln und formen. Sie treffen ihn in jedem Augenblick seines Lebens, verbinden ihn mit seinem Schöpfer, der Welt, seinem Volk und seiner Aufgabe. Sie haben dadurch unsern Charakter als Juden erhalten, sie sollen auch Grundlage des neuen Lebens in Erez-Israel sein, weil es jüdisch sein soll. Wir glauben nicht 44