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Der jüdische Student · 1928-11-01 · Heft 6-7 (November 1928) · p. [Seite]

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Journal
Der jüdische Student
Volume
25 (1928)
Issue
Heft 6-7 (November 1928)
Date
1928-11-01
Page
[Seite] (sequence 42)
Language
German
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kommt. Wir danken ihn nicht nur der Unerschöpflichkeit und Universalität des Stoffes, sondern auch die Methode birgdank ihrer gro:;,;t Schwierigkeiten soviel Reiz, daß sie eine unerschöpfliche Quelle der Anregung wird. So hat unser Studium, vor allem das der Gemara, den doppelten Vorzug des „Was" und des „Wie*4'. — Vom Leimen unbesehen stein im Vordergrund der Gruppenarbeit der Heimabend. Bausteine /ur Bildung der Weltanschauung sind überwiegend schon in den Gruppen der Kleinsten sein Hauptgegenstand. Zwanglose Besprechun:: (die Gruppen sind nach Möglichkeit sehr klein gehalten) im Arisch] uU an Lektüre oder kleine Vorträge bildet wohl in der Regel die Arbeitsweise. Das Interessengebiet ist nicht auf Judaica im engeren Sinne beschränkt: Die Probleme des Sozialismus oder des Nationalismus beschäftigen wohl jede Gruppe von AeUeren ebenso wie der Sinn unseres Gebetes oder das Wesen der mündlichen Lehre. 10. Gelernt wird anderswo auch: entscheidend ist die Tendenz zu entsprechender Lebensgestaltung, und zwar möglichst zu solcher, die Fortschritt bedeutet gegenüber denen, die ohne uns waren. Auch hier liegt das nächste Mittel im Heimabend. Der Führer darf sich nicht scheuen, bis ins Einzelne gehend das Gelehrte in Beziehung zum täglichen Leben zu setzen, das unter den den Bund leitenden Gesichtspunkten einer gerneinsamen Ueberprüfung unterzogen wird. Ueberdies soll die Gruppe selbst ein Stück Lebensgemeinschaft darstellen: Familie, Freundeskreis, Arbeitsgemeinschaft und Staat. Je dichter und mannigfaltiger die Beziehungen jedes Einzelnen zum andern, zum Führer und zur Gruppengemeinschaft werden, um so mehr ist Gelegenheit, die Theorie an der Praxis zu üben, und um so näher kommt man dem unerreichbaren, aber angesichts der Revolution unserer Jugend gegen das angeborene Milieu idealen Zustand: daß der Schwerpunkt des Lebens für jeden Einzelnen in der V/ahlgemeinschaft der Gruppe liegt. 11. Hier sehe ich auch — ohne die große Bedeutung der Beziehung zur freien Natur schon als solcher verkennen zu wollen — den Hauptwert der gemeinsamen Wanderung. An die Steile der reservierten Feierstunde, die der Heimabend meist ja darstellt, tritt hier gemeinsamer Alltag; immer weniger abstrakt werden die erarbeiteten Anschauungen, immer weniger papierhaft die erhaltenen Anweisungen. Den Mund halten, wenn der Kamerad einem unvorsichtig das letzte Butterbrot zu Boden geworfen, bei heißem Wetter auf die lockende Milch verzichten, weil sie nicht koscher ist: das ist ungleich viel schwerer als im Heimabend untereinander höflich zu sein oder stets den Ansichten des Führers zuzustimmen. Das größte aber wird erreicht durch eine Einrichtung, die in beachtlichem Ausmaß in der jüdischen Jugendbewegung bisher nur der Esra verwirklicht hat: durch den wochcnlangcn Ferienaufenthalt im gemeinsamen Heim. Die Bestrebung ist hier die gleiche, wie wir sie hinsichtlich des Bundestages (4) gekennzeichnet haben: Schaffung des besonderen jüdischen, des besonderen Esra-Milieus. Hier werden in wochenlanger engster persönlicher Gemeinschaft die Ideen verwirklicht, die das konkrete Programm des Bundes bilden: völlige Linterwerfimg unter das Religionsgesetz und Vermeidung der Nachgiebigkeit, die sonst das Alltagsleben 42

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